Gesundheit : Studentinnen mit Mission

Deutschlands erste UN-Jugenddelegierte

Mathias Hamann

Oft lehrt die Uni nur die Theorie der Politik. Anne Spiegel hat an der Hochschule auch für die Praxis trainiert: auf dem Gang lauern. Den Professor abpassen und ihm kurz etwas verklickern, während der von der Vorlesung zum nächsten Seminar eilt. Auf dem Gang lauern muss die 24-Jährige nun auch mit ihrer Kommilitonin Hanna Labonté bei ihrer Mission, die beide von der Uni zur Uno nach New York führt. Drei Wochen lang beraten sie seit gestern als erste deutsche Jugenddelegierte die Diplomaten des UN-Botschafters Gunter Pleuger bei der 60. UN-Hauptversammlung. Ihr Anliegen: die Wünsche der Jugendlichen in die UN-Resolution einzubringen. Unter 130 Bewerbern wurden die beiden ausgewählt.

Hanna Labonté ist 21 Jahre alt und studiert Ethnologie und Islamwissenschaft in Heidelberg, Anne Spiegel belegt Politik, Philosophie und Psychologie in Mainz. „Meine Eltern haben mich früher im Kinderwagen über Demos geschoben. Ich habe früh gelernt, mich einzumischen und Mitsprache zu fordern“, sagt sie. Erst wurde sie Schülersprecherin, dann arbeitete sie im Bundesvorstand der Grünen Jugend. Dort hat sie sich besonders in der Bildungspolitik engagiert.

Wenn sie die Delegation unter Gunther Pleuger berät, will Anne Spiegel aber parteipolitisch neutral sein: Sie sieht sich als „Sprachrohr in Deutschland lebender Jugendlicher“. Zusammen mit Labonté hat sie im Sommer Jugendgruppen besucht. „Den Jugendlichen mehr zuhören, weniger Bürokratie, bessere Bildungschancen für sozial Schwache“, forderten Schüler und Studenten bei diesen Treffen. Die Mehrheit sei sich einig gewesen: keine Studiengebühren.

Beide wissen, die Sorgen der deutschen Jugend sind geringer als die der Jugendlichen in vielen anderen Ländern. „In Uganda zum Beispiel sind weite Teile der Bevölkerung HIV-positiv“, sagt Hanna Labonté. Die deutschen Schüler und Studenten hätte sie deshalb aufgefordert, auch Jugendlichen Gehör bei der UN zu verschaffen, deren Länder noch keine Jugenddelegierten haben.

Welchen Einfluss werden sie in New York nehmen können? Beide haben kein Rederecht. „Unsere Möglichkeiten hängen davon ab, mit wem wir reden und wie diese Menschen uns gegenüber eingestellt sind.“ Treffen wollen sie die wichtigen Entscheider nicht nur bei Empfängen, sondern auch zwischen den Sitzungen – wie Hanna sagt: „auf dem Gang.“

Mehr im Internet:

www.jugenddelegierte.de

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