Gesundheit : Studentische Spaßliste gestoppt

Tilmann Warnecke

Bei den Wahlen zum Studentenparlament im Februar mussten Studierende der Humboldt-Universität scharf hingucken. Auf der Liste 2 wollte die neue Gruppe „RCDS – Junge Konservative“ ihr Kreuz haben. Etwas weiter unten bei Liste 7 warb der „RDCS“ um Stimmen. „Wählertäuschung!“, rief der RCDS, der CDU-nahe Ring Christlich-Demokratischer Studenten. Der Abkürzungsvetter, dessen Klarname „Real Demokratischer Club Studierender“ auf der Wahlliste nicht auftauchte, sei gar nicht konservativ, sondern links. Doch zu spät: Von 60 Mandaten erhielten die christlichen Demokraten drei, eins weniger als letztes Jahr. Genau dieses Mandat sei an die Real-Demokraten gegangen, ärgerten sich die Konservativen und zogen vor Gericht – mit Erfolg.

Gestern verbot ein Richter am Amtsgericht Charlottenburg der Studentin Anita Röder, die auf der Konkurrenz-Liste ins Studentenparlament eingezogen war, noch einmal unter dem Kürzel RDCS aufzutreten. Sonst muss sie 2000 Euro Strafe zahlen. Dabei hatte Röder doch schon im Vorfeld eine Unterlassungserklärung unterschrieben, argumentierte Röders Rechtsanwältin. Auch sonst habe ihre Mandantin doch bereits bewiesen, den Namen nicht noch einmal verwenden zu wollen: Indem sie nämlich bei der Wahl zum Akademischen Senat im Juni auf der „Offenen Linken Liste“ angetreten sei. Das ließ der Richter nicht gelten. Allerdings könne Röder durchaus mit dem vollen Namen als Real Demokratischer Club auch weiterhin firmieren.

Unter der Hand gaben beide Seiten zu, dass Tarn- und Spaßlisten zum Alltag bei Studentenwahlen gehören. So sei die „Christliche Liste“, direkt unter dem RDCS platziert, gar nicht so christlich, mutmaßten RCDSler. Die „Pils&Lips“-Liste vom letzten Jahr sehen Linke dafür auf der rechten Seite. „Mit ein bisschen Spaß sind Studenten viel besser zu motivieren“, sagte eine linke Studentenvertreterin. „Der RCDS soll froh sein, umsonst Publicity zu bekommen.“

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