Gesundheit : Studienabschlüsse: Gehört der Bachelor zur Arbeitswelt von morgen?

Bärbel Schubert

"Mein stärkstes Argument für die Einführung von Bachelor- und Masterstudiengängen ist: Denjenigen, die üblicherweise bei uns einen Hochschulabschluss erwerben, schadet es nicht. Bei einer Reihe anderer Fragen ist es sehr nützlich." Mit leichter Ironie warb der international renommierte Hochschul- und Berufsforscher Ulrich Teichler (Kassel) am Mittwoch im Akademischen Senat der Freien Universität für die Vorzüge der gestuften Abschlüsse nach angelsächsischem Vorbild. Und das sind einige.

So hat die Berufswelt immer mehr Felder, die ein Verständnis komplexer Zusammenhänge fordern, erläuterte Teichler weiter. Damit geht einher, dass mehr akademisch ausgebildete Arbeitskräfte gebraucht werden. Die alte, strikte Teilung zwischen denjenigen, die im Betrieb und denjenigen, die an der Hochschule ausgebildet werden, sei damit überholt. Die Hochschulen stehen vor neuen Herausforderungen. Auch hat Deutschland mit rund 11 Prozent eines Jahrgangs etwa genauso viele Absolventen des hier üblichen langen Universitätsstudiums wie andere Industriestaaten. Dort kommt aber eine große Zahl von Absolventen des kürzeren Bachelorstudiums hinzu. Die bisher einzige deutsche Differenzierung in die Hochschultypen Fachhochschule und Universität trägt den Anforderungen nur unzureichend Rechnung, so der Berufsforscher.

Die offensichtlichsten Vorteile von Bachelor- und Masterstudiengängen auch in Deutschland ergeben sich für Studenten, die zeitweilig im Ausland studieren wollen, weil sie sich dort leichter einfädeln können. Auch gibt es nach Teichlers Worten hierzulande nicht generell zu wenig ausländische Studenten, wohl aber "ein Loch" bei Gaststudenten, die "für einen Kick" bei ihrer Qualifikation für ein bis zwei Jahre an deutschen Hochschulen studieren wollen. "Für sie haben wir kein Angebot." Die Hochschulen sind darüber hinaus mit dem Problem konfrontiert, dass in den vergangenen Jahren immer mehr Studenten ihr Studium ohne Abschluss abgebrochen haben. Auch ihnen soll der Bachelor bereits nach drei Jahren früher eine Möglichkeit zum Abschluss bieten als bisher an den Universitäten mit mindestens vier Jahren üblich.

Die Freie Universität hatte sich Teichler und die Greifswalder Wissenschaftlerin Hofmann eingeladen, um von ihnen bei der Entscheidung über die Einführung der neuen Abschlüsse Beratung zu bekommen. Derzeit werden alle Fachbereiche dazu befragt. Die Stellungnahmen reichen von völliger Ablehnung beispielsweise bei den Physikern bis zu reiner Zustimmung, hieß es. Im neuen Jahr will die Hochschule sich in dieser Frage auf eine Linie verständigen, die auch den Unterschieden zwischen den Fächern gerecht werden soll.

An der Universität Greifswald werden derzeit verschiedene Bachelor- und Masterangebote in den Geisteswissenschaften erprobt. Dafür gibt es regen Zulauf auch aus dem Westen.

Beim Umgang mit Bacheor- und Masterstudiengängen können die deutschen Hochschulen von ihren Nachbarn Dänemark und Finnland lernen. Beide haben seit Ende der 80er (Dänemark) und Mitte der 90er Jahre die neue Struktur eingeführt - allerdings nicht in allen Fächern. In beiden Ländern haben Bachelor ausdrücklich das Zugangsrecht zum weiterführenden Masterstudium sowie Anspruch auf weitere finanzielle Förderung, schreibt Teichler in einem Bericht für den Deutschen Akademischen Austauschdienst. Bisher habe sich der Bachelor auf dem Arbeitsmarkt allerdings noch nicht "eindeutig etabliert". Das Potenzial der gestuften Struktur für neue kombinierte Qualifikationen, auf dem Arbeitsmarkt zunehmend gefragt, kann dies möglicherweise ändern.

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