Gesundheit : Studiengang Informatik: Absolventen sollen aufsatteln - TU plant gemeinsames Programm mit der Wirtschaft

rfi

Der Boom in der Informations-Technologie stellt Universitäten und Hochschulen vor ein doppeltes Problem. Erstens soll schnell die Nachfrage der Industrie an Informatikabsolventen befriedigt werden und zweitens müssen die Fachbereiche mit der adhoc gestiegenen Zahl an Bewerbern für den Studiengang Informatik umgehen. In einer Anhörung vor dem Wissenschaftsausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses am gestrigen Mittwoch rechtfertigte Hans-Jürgen Ewers, Präsident der Technischen Universität, die Notwendigkeit eines Numerus clausus für Informatik, stellte aber auch Programme zur schnellen Qualifizierung des IT-Nachwuchses vor.

Die Berliner Fachhochschulen wollen mit dem 100 X 100-Programm Arbeit suchende Absolventen mit dem nötigen Informatikwissen ausrüsten. "Die TU möchte dagegen Absolventen benachbarter Studiengänge wie Elektrotechnik oder Kommunikationswissenschaften ein oder zwei Jahre vor dem Examen einfangen und ihnen ein IT-Modul anbieten", sagte Ewers. Ein Assessment-Center soll Vertreter aus der Wirtschaft mit Studenten in Kontakt bringen. Ziel sei es, dass Unternehmen sich ihre Studentin oder ihren Studenten aussuchen und die Kosten für die Zusatzausbildung übernähmen, erklärte Ewers. Die Studenten verpflichteten sich ihrerseits, eine vereinbarte Anzahl von Jahren für das Unternehmen zu arbeiten.

Damit würde auch die Wirtschaft an den Ausbildungskosten beteiligt. Wissenschaftsstaatssekretär Josef Lange erinnerte daran, dass es die Wirtschaft war, die nach 1992 aus wirtschaftlichen Gründen nur noch wenige IT-Fachkräfte eingestellt und damit einen Rückgang der Studienanfänger verursacht habe.

Deswegen ist Ewers auch skeptisch gegenüber Prognosen aus der Wirtschaft, die für die nächsten Jahre einen anhaltenden Bedarf an IT-Fachkräften voraussagen. Er geht vielmehr davon aus, dass die Nachfrage nicht so hoch bleiben werde, wie sie zurzeit ist. Zudem seien sich viele der Bewerber nicht über die hohen Anforderungen zum Beispiel im Bereich der Mathematik klar. "Ein Numerus clausus kann hier eine Vorauswahl treffen und hohen Abbrecherraten vorbeugen", sagte der TU-Präsident, und verwies darauf, dass die Fachhochschulen einen solchen schon hätten. "Wir bekommen dann die Studenten, die dort nicht angenommen werden", sagte er.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben