Gesundheit : Studienplätze als Berliner Wahlkampfthema

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Im Berliner Wahlkampf wollen sich alle Parteien in Bildung und Wissenschaft profilieren. Jetzt ist auch die Zahl der ausfinanzierten Studienplätze zum Thema geworden. Der Spitzenkandidat der CDU, Friedbert Pflüger, greift den Berliner Senat an, weil es in der Stadt nur noch 63 000 ausfinanzierte Studienplätze gebe – und verspricht, sie auf 100 000 zu erhöhen. Sekundiert wurde Pflüger von Monika Grütters, der jetzigen Bundestagsabgeordneten und früheren hochschulpolitischen Sprecherin der Berliner CDU.

Gegenüber dem Tagesspiegel räumte Grütters jetzt ein, dass es in der Wahlkampfveröffentlichung der CDU zu der Verkürzung auf 63 000 Studienplätze gekommen sei. Tatsächlich könne man mit einem Spielraum zwischen 63 000 und 75 000 Studienplätzen in Berlin rechnen, sagte Grütters. Verantwortlich dafür seien die vielen Sparrunden, die seit dem Ende der gemeinsamen Regierung von SPD und CDU vom rot-roten Senat umgesetzt wurden. Damals habe es noch 85 000 ausfinanzierte Studienplätze gegeben. Seitdem seien in der Hochschulmedizin 98 Millionen Euro gespart worden und an den drei Universitäten 75 Millionen Euro. Das habe Auswirkungen auf die Studienplätze, weil das Lehrpersonal verringert wurde. Hinzu komme die Ankündigung des Wissenschaftssenators, dass eine bessere Betreuung der Studenten in den neuen Studiengängen mit Bachelor- und Masterabschluss auf Kosten von 10 000 Studienplätzen gehen werde.

Wissenschaftsstaatssekretär Gerhard Husung will sich derzeit auf keine Studienplatzberechnung einlassen. Die Voraussetzungen dafür hätten sich geändert. Die alten Studiengänge waren auf die herkömmlichen Abschlüsse mit Diplom, Staatsexamen und Magister abgestellt und basierten auf längeren Studienzeiten als es künftig bei den Bachelor und Masterstudiengängen der Fall sein soll, erklärte Husung. Die neuen auch für den Hochschulpakt von Bund und Ländern maßgeblichen Kriterien gehen von der jährlichen Aufnahmekapazität an Studienanfängern aus. Und die liegt in Berlin an den drei Universitäten bei 13 000 im Jahr und bei den Fachhochschulen einschließlich der Berufsakademie bei 6307 Studienanfängerplätzen. Auf diese Aufnahmekapazität zuzüglich der der Kunsthochschulen solle die Finanzierung der Studienplätze künftig abgestellt werden, so Husung.

Dennoch sind Berechnungen möglich: Alles hängt davon ab, wie viele Studenten nach dem dreijährigen Bachelor ein zweijähriges Masterstudium anschließen. In Rechnung zu stellen ist auch eine unbekannte Zahl von Studienabbrechern. Kalkuliert man an den Universitäten mit einer Aufnahmekapazität je zur Hälfte von dreijährigen Bachelorabschlüssen und fünfjährigen Masterabschlüssen, so kommt man auf 52 000 Studienplätze. An den Fachhochschulen wird von einer siebensemestrigen Studiendauer vorwiegend auf Bachelorbasis ausgegangen. Das ergibt über 18 000 Studienplätze. Hinzu kommen etwa 4000 Studienplätze an den künstlerischen Hochschulen. Machen mehr Studenten an den Fachhochschulen und Universitäten den Master, erhöht sich der Bedarf an Studienplätzen von 74 000 auf rund 79 000 und mehr. U.S.

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