Gesundheit : Studienplätze nicht zu halten

Der TU Berlin droht mehr Numerus clausus als je zuvor

Uwe Schlicht

Die Technische Universität Berlin steht vor einer kritischen Situation: Sie kann die Zahl ihrer Studienplätze nicht mehr halten und rettet sich für die Zeit der Hochschulverträge bis zum Jahr 2005 nur mit Tricks. Sie wird mit Lehraufträgen und Gastprofessuren die Lücken schließen, die ihr durch den Sparkurs aufgezwungen wurden. Schon heute ist absehbar, dass die TU bis zum Jahr 2005 eine Deckungslücke von zehn bis 17,5 Millionen Euro in ihrem Etat ausgleichen muss. Die Differenz wird davon bestimmt, ob die Hochschule Tarifsteigerungen von drei Prozent abwenden kann. Muss sie diese realisieren, beträgt die Lücke 17,5 Millionen Euro. Das bedeutet den Verlust von 50 Professuren. Im günstigeren Falle ließe sich das Defizit auf zehn Millionen Euro begrenzen, ein Verlust von 30 Professuren.

Die Entscheidung wird in Kürze fallen. Denn Wissenschaftssenator Thomas Flierl (PDS) hat die Präsidenten und Rektoren der Berliner Hochschulen aufgefordert, dem Schritt des Berliner Senats zu folgen und aus den Arbeitgeberverbänden des Öffentlichen Dienstes auszutreten. Würde die TU dem folgen, könnte sie im besten Falle eine Tarifsteigerung in Höhe von 2,5 bis drei Prozent abwenden. Für TU-Präsident Kurt Kutzler schlechte Alternativen: Auf der einen Seite ist ungewiss, ob durch Klagen einzelner TU-Angehöriger die Universität nicht doch zur Kasse gebeten wird oder einen Haustarif abschließen muss. Würde die Hochschule sich dem Schritt des Berliner Senats aber nicht anschließen, müsste sie die Tarifsteigerungen selbst erwirtschaften.

Diese Situation ist für alle Berliner Hochschulen bedrohlich. Die Humboldt- und die Freie Universität sollen ähnliche Finanzsorgen haben. Im Unterschied zu den beiden anderen Universitäten richtet sich die TU auf die Notlage ein; denn bis zum Jahre 2005 muss die TU 170 Professuren neu besetzen.

Der Sprecher der konservativen Fraktion im Akademischen Senat (AS), Peter Pepper, meinte, angesichts des Finanzrisikos seien die 17 300 Studienplätze von heute nicht zu halten. Vom Jahre 2006 an könne die TU nur noch 15 400 Plätze bereitstellen. Die Folge des Abbaus sei eine radikale Ausweitung des Numerus clausus: Während heute schon zwei Drittel aller TU-Studenten in Fächern mit Zulassungsbeschränkungen studieren, werden es künftig vier Fünftel sein. Damit ist die TU die erste Hochschule, die der Legende vom Erhalt der 85 000 ausfinanzierten Studienplätzen in Berlin ein Ende bereitet.

Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) fordert, ab dem Jahre 2006 den Staatszuschuss an die Hochschulen um 20 Prozent zu senken. Bei dem radikalen Neuzuschnitt wird keine der acht Fakultäten ungeschoren davonkommen. Im schlimmsten Fall müsse rechnerisch jede Fakultät sechs Professuren plus zugehöriger Assistentenstellen aufgeben, so Kutzler. Wenn sich die TU noch einmal zur Aufgabe von 50 Professuren durchringen sollte, „dann ist das Ende der Fahnenstange erreicht, meinen die Fraktionen im AS. Danach „reden wir über eine Schließung der Hochschule“. Dennoch wollen die Professoren die Einschnitte für die Profilbildung nutzen. Doch dann sind sie auf die Ingenieur- und Naturwissenschaften verweisen. Die Entwicklungspläne werden in den Fakultäten beraten und müssen im Frühjahr 2003 im AS beschlossen werden.

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