Gesundheit : Studienplätze statt Greencards

Wie die Berliner Forschung die Krise meistern will

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Eigentlich sollten die Schwerpunkte präsentiert werden, mit denen sich der Forschungsmarkt Berlin auf die Messen vorbereitet: In einer Woche läuft in Hannover die CeBIT, Anfang April die HannoverMesse. Aber wenn Thomas Flierl und Hans-Olaf Henkel auf dem Podium einer Pressekonferenz sitzen, stehen größere Sachfragen im Vordergrund. Dabei kam es nicht einmal zum Streit zwischen dem Wissenschaftssenator und dem Präsidenten der Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz – im Gegenteil. Schließlich hat der Senat es trotz aller Sparzwänge der Stadt geschafft, den außeruniversitären Forschungseinrichtungen einstweilen das Überleben zu sichern.

Wer wie Henkel allein in Berlin zwölf Leibniz-Einrichtungen vertritt (bundesweit 80), weiß das zu schätzen. So kämen für jeden investierten Euro, den die Stadt in die außeruniversitären Forschungsstätten steckt, ja drei zurück – weil meist auch der Bund und Brüssel sowie Firmen an der jeweiligen Projektförderung beteiligt sind.

Auf ebensolche Rücksicht hoffen denn auch die Universitäten bei den anstehenden Verhandlungen. Wie es jetzt aussieht, sollen sie ihre Etats um insgesamt 200Millionen Euro senken – um fast genau also jenen Betrag, der für jede einzelne der drei Hochschulen angesetzt ist. TU-Vizepräsident Jörg Steinbach wies jedenfalls auf den Widerspruch hin, ausländischen Maschinenbau-Fachleuten demnächst die „Greencard“ auszustellen, während hier entsprechende Studienplätze zusammengestrichen werden müssten.

Wissenschaftssenator Flierl wollte sich wegen der laufenden Verhandlungen nicht zu Details äußern, versicherte aber, der Senat halte an der Zahl von 85000 Studienplätzen fest. Es müsse an anderen Stellen gespart werden, zum Beispiel durch Zusammenarbeit bei der Verwaltung.

Berlin hat in wenigen Jahren rund 300 000 Industriearbeitsplätze verloren. Die Hoffnung liegt darin, wenigstens einen Teil davon durch Forschung und Wissenstransfer in die Wirtschaft der Region zu ersetzen. In eine Wirtschaft, die daraus wiederum heranwachsen und erstarken soll, mit kleinen und mittelständischen Unternehmen. Schließlich sollte der ökonomische Rückfluss der Forschungsfördermittel möglichst auch hier bleiben.

Das „Projekt Zukunft – Berlin in der Informationsgesellschaft“ ist so ein Ansatz. 1997 vom Land Berlin gegründet, werden hierin 205 Berliner Unternehmen zusammengefasst und auf den Messen präsentiert. Und der Forschungsmarkt? Da zeigt etwa das Heinrich-Hertz-Institut sein Telekonferenzsystem. Die Gesprächsteilnehmer sitzen sich hierbei in einem Raum gegenüber, der halb echt und halb virtuell ist, also von einem großen Bildschirm hergestellt wird. Die Partner sind in Lebensgröße zu sehen, perspektivisch richtig und mit Blickkontakt. gih

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