Gesundheit : Studienreform muß nicht teuer sein

DOROTHEE NOLTE

Feierabend-Kommission an der Humboldt-Uni hat praktikable Vorschläge erarbeitetVON DOROTHEE NOLTE"Wir wollen nicht die Welt verändern", sagt Rainer Neumann."Wir wollen keine Revolution, und wir wollen auch kein Modell für Deutschland sein." Was wollen sie also, die vier Verwaltungsvertreter samt Jura-Professor, die sich seit einem dreiviertel Jahr außerhalb der Dienstzeit treffen und über eine Uni-Reform nachdenken? "Kleine Projekte anstoßen, die sich schnell innerhalb der Humboldt-Universität realisieren lassen und die den Studenten dienen." Konzentriert hat man sich auf drei Vorschläge: die Einführung von Trimestern, ein Ausbildungszertifikat für Studienabbrecher und ein Anreizsystem für gute Lehre.

Rainer Neumann ist Kanzler der Humboldt-Universität und denkt daher viel über Geld nach."Studienreform muß nicht unbedingt viel kosten", meint er.Eine Trimester-Regelung beispielsweise könnte sogar, wenn nicht zu Einsparungen, so doch zu einer effizienteren Nutzung führen.Schließlich stehen im Moment Labore und Hörsäle fünf Monate im Jahr leer."Unsere Räume sind überwiegend klein.Wenn sich die Lehre auf das ganze Jahr verteilen würde, müßten sich die Studenten darin nicht so drängeln und könnten intensiver betreut werden."

Das erste Trimester ginge demnach von Anfang November bis Ende Februar, das zweite von Anfang April bis Ende Juni und das dritte von Mitte Juli bis Mitte Oktober."Diese Zeiten sind kompatibel mit den Semestern", meint Neumann: "Daher ist es auch kein Problem, wenn Studenten aus anderen Bundesländern hierher wechseln oder an mehreren Berliner Unis gleichzeitig studieren."

Jura-Professor Bernhard Schlink, der einzige Wissenschaftler in der Runde, hat an der Business School der New Yorker Columbia University gesehen, wie sich die Einführung von Trimestern auswirkt: "Sowohl die Wissenschaftler als auch die Studierenden gewinnen dadurch an Freiheit." Sie könnten sich zum Beispiel in zwei Trimestern auf Lehre oder Studium konzentrieren und im dritten forschen oder jobben.Und er betont: "Wir machen nur Vorschläge, jede Fakultät kann sehen, was sie davon verwirklicht."

Ginge es nach dem Kreis von Reformern, so würden viele Fakultäten auch schon bald Ausbildungszertifikate für Menschen ausstellen, die ihr Studium abbrechen oder das Fach wechseln."Bisher gilt es als Makel, wenn man ein Studium abbricht, man hat danach nichts in der Hand", sagt Schlink."Es wäre besser, wenn bestimmte Studienleistungen zu einem Modul zusammengefaßt und dann, eventuell mit einer kleinen Prüfung, bescheinigt würden." Beispielsweise könnte ein Jura-Student, der nach fünf Semestern abbricht, ein Zertifikat bekommen, daß er alle "kleinen Scheine" oder alle "großen und kleinen" Scheine in Zivil- und Strafrecht gemacht hat.Wird der Arbeitsmarkt aber ein solches Papier honorieren? Das könne man nur abwarten, heißt es.In jedem Fall sei es schon ein Vorteil, wenn man bei einer Bewerbung kein "Loch im Lebenslauf" präsentieren müsse.

Der dritte Vorschlag soll helfen, die Lehre durch ein "Bonus-System" zu verbessern."Bisher gibt es nur Modelle, daß gute Leistungen nachträglich belohnt werden, etwa durch erhöhte Mittelzuweisungen an Fachbereiche, die viele Abschlüsse und kurze Studienleistungen vorweisen können.Das erfordert aber bürokratischen Aufwand und stellt für den einzelnen Professor oft keinen starken Anreiz dar", erläutert Rainer Neumann.Er möchte daher lieber einen zentralen Fonds einrichten und - über eine Kommission, in der auch Studierende vertreten sein sollen - Mittel an diejenigen Hochschullehrer vergeben, die Ideen für eine Verbesserung der Lehre haben und dafür zum Beispiel zusätzliche Hilfskräfte brauchen."In der Forschung wird das ja auch so gemacht: Man hat eine Idee, bewirbt sich, und eine Kommission entscheidet, wer wieviel Geld bekommt.Natürlich gibt es dabei das Risiko, daß die Sache scheitert - wie bei einem Forschungsprojekt auch.Aber ein solches System regt dazu an, sich etwas einfallen zu lassen."

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