Gesundheit : Studienreform ohne Etikettenschwindel

Berlins Wissenschaftssenator a.d.

TURNERS THESEN

zu Bildung und Politik

Die Bildungsminister von 40 europäischen Staaten haben sich in Berlin darauf verständigt, dass vom Jahr 2005 an jedes Land damit begonnen haben muss, ein zweistufiges Studiensystem mit den Abschlüssen Master und Bachelor einzuführen. In Deutschland wird schon seit einiger Zeit an der Konzeption von Bachelor- und Master-Studiengängen gebastelt.Endlich ist erkannt worden, dass ein anderes Studiensystem erforderlich ist, wenn in Zukunft deutlich mehr Schulabsolventen studieren sollen als bisher. Ein weiteres Argument ist die internationale Vergleichbarkeit der Abschlüsse.

Die entscheidende Frage ist, wie die bisher als Diplom-, Staatsexamen- oder Magisterstudiengänge konzipierten Programme umgestaltet werden können. Soll die Ausbildung für berufliche Tätigkeiten befähigen, muss sie ein abgestimmtes Programm enthalten. Dies aber setzt voraus, dass die Studiengänge neu konzipiert werden. Dem muss die Überlegung vorausgehen, welches das Ziel einer bestimmten Ausbildung ist, welche Elemente dafür erforderlich sind und wie sie aufeinander bezogen sein müssen. Dazu gehört eine Konzentration des Stoffes. Das Programm darf keine bloße Addition der von den zufällig verfügbaren Personen angebotenen Lehrveranstaltungen mit deren Steckenpferden sein. Ebenso gilt es, Fachegoismen auszuschließen.

Wer die lähmenden Diskussionen um eine Studienreform seit Anfang der siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts kennt, weiß, wie sehr hier nicht nur der Teufel im Detail steckt, sondern persönliche Ambitionen, Eitelkeiten und Machtinteressen eine Rolle spielen. Schließlich hängt von der Beteiligung an Studiengängen auch die Ausstattung mit Personal- und Sachmitteln ab. Es ist also Aufmerksamkeit geboten im Hinblick auf die Konzipierung der neuen Studiengänge und ihrer Abschlüsse. Wenn hier Mogelpackungen serviert werden, wird es ein böses Erwachen geben. Das gleiche gilt, wenn die Verweigerungshaltung des Hochschulverbands, der gewerkschaftlich organisierten Vereinigung der Professoren, nicht überwunden wird. Nur das, was man eine echte Studienreform nennen kann und nicht nur eine Ausstattung mit neuen Etiketten ist geboten und erforderlich.

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