Gesundheit : Studieren bei den Stars

Die Humboldt-Universität plant eine neue Offensive für die Lehre

Anja Kühne

Die Humboldt-Universität will „die attraktive Uni für den wissenschaftlichen Nachwuchs“ in Deutschland werden. Das sagte Hans Jürgen Prömel, Vizepräsident für Forschung, am Mittwoch. Schon jetzt sei die Hochschule in der Nachwuchsförderung weit vorn, diese Position wolle sie nun weiter ausbauen. Anlass für die öffentliche Kursbestimmung ist eine Zäsur in der Leitung. Von heute an ist der zur Helmholtz-Gemeinschaft gewechselte Jürgen Mlynek nicht mehr Präsident der Humboldt-Uni. Bis es einen Nachfolger gibt – voraussichtlich am 1. November – fungiert Prömel als Präsident. Außerdem tritt Susanne Baer, Jahrgang 1964 und seit 2002 Professorin für Öffentliches Recht und Geschlechterstudien an der HU, heute die Nachfolge von Heinz Elmar Tenorth als Vizepräsidentin für Lehre und Forschung an. Der bisherige Vizepräsident für Haushalt, Personal und Technik, Frank Eveslage, beginnt seine zweite Amtszeit.

Nachdem die Humboldt-Uni sich in der Vergangenheit besonders bei der Einführung der Juniorprofessur engagiert hat, will sie nun auch stärker als bislang auf den Beginn der akademischen Wertschöpfungskette zielen: mit dem „Humboldt-Bachelor“.

Der „Humboldt-Bachelor“ solle zu einer „Marke für Qualität“ entwickelt werden, sagte Susanne Baer. Mit dem „Humboldt-Bachelor“ wolle sich die Uni gegen eine Auffassung vom Bachelor als „Billig-Studium“, das nur eine bessere Berufsausbildung ist, stemmen. Um die Besten „aus dem breiten Pool Berliner Kinder“ zu rekrutieren, laute die Botschaft der Humboldt-Uni: „Schon im ersten Semester siehst du einen Star“ – die besten Professoren werden also nicht für das Masterstudium aufgespart. Unter den Lehrenden soll sich eine entsprechende Kultur etablieren, ein „commitment“ für die Ausbildung schon der Studienanfänger.

Für Studierende, die schon im ersten oder zweiten Semester von der Wissenschaft begeistert sind, soll es darüber hinaus in jedem Fach spezielle Lehrveranstaltungen geben. In Kleingruppen sollen sie dort ihre „Talente ausprobieren“ können. Baer versteht diese Zusatzkurse, die sie gemeinsam mit Studierenden und Kollegen planen will, nicht als „Selektionsmechanismus“. Zu den Eingangskriterien würden zwar auch gute Zensuren gehören, doch zähle vor allem eine „frühzeitige Motivation“ für die Wissenschaft. Generell will sich die HU mehr um den Service für Studierende bemühen – von der Beratung, über den Hochschulsport bis zum Sprachenlernen. Die Nachwuchspflege werde die Uni als Argument in den Exzellenzwettbewerb hineintragen, sagte Prömel.

Die HU steht vor einer Reihe großer Bauvorhaben. Der DDR-Charme vieler Räume wird angesichts der knappen Kassen trotzdem erhalten bleiben. Zwischen 2004 und 2009 muss die Humboldt-Universität rund 30 Millionen Euro einsparen. Vizepräsident Eveslage hofft gleichwohl, dass im Jahr 2007 mit dem Wiederaufbau der Ruine des Ostflügels des Naturkundemuseums begonnen werden kann. Die Mensa Nord will die Humboldt-Universität verkaufen und eine neue Mensa bauen, ein Investor sei bereits gefunden.

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