Gesundheit : Studieren in Großbritannien: Zum Profil gehört auch Deutschland - Birmingham will "Europäische Universität" werden

Thomas Veser

Mit Architektur aus dem Mittelalter ist Englands zweitgrößte Stadt nicht eben reich gesegnet, dafür erhebt sich inmitten des parkähnlichen Universitätscampus ein Bauwerk, das auf der ganzen Insel einzigartig ist: Wenn Birminghams Studenten morgens dem Hauptgebäude zustreben, führt ihr Weg an einer aus Backstein errichteten Kopie des eleganten Rathausturms in der toskanischen Stadt Siena vorbei.

Rund 19 000 Studierende sind gegenwärtig an der größten Lehrstätte der englischen Midlands eingeschrieben, mehr als ein Viertel davon bewältigt ein Graduiertenstudium. Mit der Einrichtung eines Zentrums für politische und wirtschaftliche Deutschlandstudien schuf Birmingham 1994 als einzige britische Universität einen britisch-deutschen Studienschwerpunkt, der noch stärker ausgebaut werden soll. In diesem Jahr bietet die britische Hochschule deutschen Graduierten 37 Stipendien für einen maximal dreijährigen Forschungsaufenthalt in 13 Studienfächern auf den Gebieten Naturwissenschaften, Technik, Geisteswissenschaften, Jura und Sozialwissenschaften an.

Großzügige Stipendien

Stipendien für besonders begabte Gaststudenten vergeben zwar auch andere Universitäten Großbritanniens, die verhältnismäßig hohe Zahl an finanziell gutdotierten "grants", die Birmingham anbietet, ist - gemessen an britischen Verhältnissen - ungewöhnlich. "Wir erhoffen uns durch unsere Initiative bessere Beziehungen zu Deutschland und wollen unser Profil einer Europäischen Universität herausbilden", so Verwaltungsmitarbeiterin Julia Thomas. Über 160 Deutsche studieren gegenwärtig in Birmingham, das den Anteil an Postgraduierten erhöhen will. Als Forschungsuniversität genießt die Lehrstätte landesweit einen guten Ruf: Die Hochschule befindet sich seit Jahren in der "Top ten percent"-Gruppe, die 90 Prozent des nationalen Forschungsbudgets zugesprochen bekommt. Als größten Trumpf wertet Julia Thomas den im Vergleich zu deutschen Studienverhältnissen direkteren Kontakt zu den Tutoren, die ihre Studierenden in kleineren Gruppen intensiver betreuen können. Ein abwechslungsreiches Programm wird außerhalb des Studienbetriebs geboten - etliche "Debating societies" bieten auf dem Campus ihre Veranstaltungen an. Dazu hilft die Verwaltung bei der Suche nach Unterkünften oder vermittelt Wohnungen im universitätseigenen Studentenwohnheim "Oakley Court", der Postgraduierten vorbehalten ist.

Gaststudenten können sich darauf einstellen, dass die Lebenskosten in Großbritannien heutzutage mit deutschen Verhältnissen vergleichbar sind. Für den PhD-Abschluss - er entspricht in etwa dem deutschen Doktor-Titel - rechnet man in Birmingham drei Jahre. Ein wesentlicher Unterschied liegt in den hohen Studiengebühren , die im Falle Birminghams je nach Anzahl der besuchten Tutorials im Schnitt etwa 2400 Pfund pro Jahr (7920 Mark) betragen. Als durchschnittliches Gesamtstipendium, mit dem diese Gebühren und ein Teil der Lebenshaltungskosten beglichen werden, gibt Julia Thomas jährlich 7000 Pfund (23 100 Mark) an.

Wenn es darum geht, eine zielsichere Bewerbung für einen geförderten Studienaufenthalt zu erstellen, lässt sich auch die Birminghamer Prüfungskommission ungern in die Karten schauen. Als Grundvoraussetzung nennt Julia Thomas lapidar "sehr gute Abschlüsse" entweder in der Magisterprüfung oder im Staatsexamen. Spitzennoten und möglichst viele Zusatzqualifikationen, wie sie in Deutschland gerne gesehen werden, spielen jedoch in Großbritannien letztlich eine untergeordnete Rolle: Da Birmingham nach hochbegabten Nachwuchsforschern Ausschau hält, achtet die Auswahlkommission in erster Linie auf ein schlüssig formuliertes, überzeugendes Forschungsvorhaben, dem sich der Bewerber in Birmingham zu widmen gedenkt. Dazu sollte er zwei persönliche Referenzen deutscher Dozenten liefern.

Die Gesamtpersönlichkeit des Bewerbers steht stärker im Vordergrund als seine in Noten festgeschriebene Qualifikation. Dass britische Hochschulen seit Jahren in der Beliebtheitsskala deutscher Studenten nach oben rücken, bestätigt das in Deutschland tätige British Council, zu dessen Aufgaben die Studienberatung gehört. Einen besonderen Zulauf registrierte man in den Fächern Betriebswirtschaft, Jura und Psychologie, das nach Auskunft des Münchner British Councils mittlerweile zum Modefach aufgestiegen ist. Deutschen, die in Großbritannien Medizin studieren, fällt auf der Insel die Suche nach einer Arbeitsstelle im Anschluss an das Studium leichter als in der Heimat, allerdings müssen sie sich zunächst auf eine geringere Entlohnung einstellen.

Tips für Birmingham

Präferenzen für bestimmte Hochschulen in Großbritannien lassen sich nach Auskunft der Studienberater des British Council (BC) nicht ablesen. Sie empfehlen, die Studienangebote und Schwerpunkte der Hochschulen miteinander zu vergleichen.

Auskunft: The University of Birmingham Public Affairs, Julia Thomas, Frank Albrighton Edgbaston, Birmingham, B 15 2TT Telefon: 00441-21-414 6680 (Fax: 414-3984). Das zuständige British Council (Hackescher Markt 1 in 10178 Berlin-Mitte) schickt auf Anfrage eine Broschüre über Organisationen, die für eine Studienaufenthalt in Großbritannien Förderung anbieten. Weitere Informationen beim Bonner DAAD.

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