Gesundheit : Symbole der Freiheit: Die Entstehungsgeschichte von Weißem Haus und Kapitol

Gabriele Chwallek

Sie hießen Philip, George, Charles, Harry oder auch Thomas. Ihre Nachnamen kennt niemand, denn wer hätte sich damals schon dafür interessiert. Sie waren unfrei - und schufen zwei der bedeutendsten Symbole der Freiheit und Demokratie auf der Welt. In der amerikanischen Öffentlichkeit war es bisher kaum bekannt: Sklaven haben das Weiße Haus und das Kapitol in der Bundeshauptstadt Washington gebaut. Sie waren es auch, die einen technischen Weg austüftelten, um die Freiheitsstatue auf der Kuppel des Kapitols zu errichten.

Jetzt, mehr als 200 Jahre nach dem Baubeginn, sollen die Sklaven nachträglich für ihre Arbeit geehrt werden. So jedenfalls wollen es zwei Kongressabgeordnete. Sie haben kürzlich einen entsprechenden Gesetzentwurf eingebracht und hoffen, dass den Zwangsarbeitern von damals eines Tages auf dem Gelände des Kapitols ein Denkmal gesetzt wird. Dem US-Fernsehreporter Edward Hotaling ist es zu verdanken, dass dieses Stück Geschichte jetzt ins Bewusstsein der Öffentlichkeit rückt. Er grub in Archiven Zahlungsanweisungen für die Sklavenhalter aus. Denn die "Besitzer" kassierten den Lohn, nicht die Arbeiter selbst.

Die von Hotaling entdeckten Belege deuten darauf hin, dass mehr als zwei Drittel der 600 bei den beiden Bauten eingesetzten Männer zwischen 1792 und 1800 unfrei waren. "Tempel der Freiheit auf Sklaverei gegründet" schrieb denn auch die Londoner "Times", als die Zahlen bekannt wurden und die Kongressabgeordneten ihren Gesetzesvorstoß publik machten. Für Historiker ist indessen nur die Größenordnung der Sklavenbeteiligung neu. Schließlich wurde die Sklaverei in Washington erst 1862 verboten.

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