Tabak-Studie : Alle sechs Sekunden stirbt ein Raucher

Der erste umfassende Bericht der Weltgesundheitsorganisation legt erschütternde Fakten offen. Im 20. Jahrhundert starben 100 Millionen Menschen an den Folgen des Rauchens. Ohne Maßnahmen zur Einschränkung könnten es in diesem Jahrhundert sogar eine Milliarde Tote werden.

New YorkDie Weltgesundheitsorganisation (WHO) präsentiert sechs Schlüssel-Maßnahmen, um den weltweit wachsenden Tabakkonsum einzudämmen. Dazu gehören die höhere Besteuerung von Tabak, ein striktes Verbot von Zigarettenwerbung sowie Aufklärung und Hilfsprogramme für Raucher, die von der Sucht los kommen wollen. "Obwohl es immer mehr Kampagnen gegen das Rauchen gibt, kann jedes Land der Erde mehr tun. Diese sechs Maßnahmen sind für alle umsetzbar, für arme wie für reiche Länder", sagte WHO- Generaldirektorin Margaret Chan.

"Wenn der Preis steigt, verringert sich der Konsum"

In Deutschland raucht dem Bericht zufolge rund ein Viertel der Erwachsenen, knapp 20 Millionen - jeder dritte Mann und jede vierte bis fünfte Frau. Das Land zählt damit zu zehn Ländern weltweit, die am meisten rauchen. Die Leiterin der Stabsstelle Krebsprävention am Deutschen Krebsforschungszentrum, Martina Pötschke-Langer, sprach sich ebenfalls für weitere Erhöhungen der Tabaksteuer aus. "Wenn der Preis ansteigt, verringert sich der Konsum", sagte die Heidelberger Medizinerin.

"Dank der fünf kleinen Anhebungen in den Jahren 2002 bis 2005 ist der Zigarettenmarkt eingebrochen", sagte Pötschke-Langer. Das zeige sich etwa bei Jugendlichen: "Nach einem deutlichen Anstieg in den 90er Jahren ist das Rauchverhalten bei Kindern und Jugendlichen inzwischen drastisch zurückgegangen - von 28 Prozent im Jahr 2001 auf 18 Prozent im vergangenen Jahr."

Mehr als eine Milliarde Raucher weltweit

Für den Welt-Tabak-Bericht hat die WHO Daten aus 179 ihrer Mitgliedsstaaten zusammengetragen, die Zahlen erfassen 99 Prozent der Weltbevölkerung. Weltweit gibt es demnach mehr als eine Milliarde Raucher. Zwei Drittel davon leben in nur zehn Ländern, darunter Deutschland, Japan und die USA. Während jedoch in den Industrieländern die Tendenz zum Rauchen nachlasse, griffen in den Entwicklungsländern immer mehr Menschen zum Glimmstängel, betonte die WHO. Die Werbung ziele dort besonders auf Jugendliche und junge Frauen. Rund 80 Prozent der Raucher kommen demnach bereits heute aus Schwellen- und Entwicklungsländern.

"Zum ersten Mal haben wir einen entscheidenden Ansatz, um den Tabakkonsum zu stoppen und verlässliche Daten, die uns in die Verantwortung nehmen", sagte der New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg bei der Vorstellung des Berichts. Seine Initiative Bloomberg Philanthropies hatte die Erstellung teilweise mitfinanziert. Bloomberg hatte ein Rauchverbot in New York durchgesetzt.

Schocken mit Ausweg

Vier von fünf Rauchern wollten von ihrer Sucht wegkommen, berichtet die WHO. Wichtig seien daher neben Aufklärung auch Hilfsangebote. Die deutsche Krebsforscherin Pötschke-Langer machte sich für Schockfotos etwa von Raucherlungen oder braunen Zahnstummeln auf Zigarettenpackungen stark. "Wer 20 Zigaretten pro Tag raucht, sieht diese Bilder 7000 Mal im Jahr", sagte sie. Daneben müsse jedoch unbedingt eine Hotline-Nummer stehen, bei der sich Raucher Tipps für ein rauchfreies Leben holen könnten. "Man darf nicht nur schocken, sondern muss einen Ausweg zeigen." Die Bundesregierung will mit der am Mittwoch gestarteten Kampagne "Rauchfrei 2008" Rauchern helfen, vom Glimmstängel loszukommen.

Rauchen ist nach WHO-Angaben Risikofaktor für sechs der acht führenden Todesursachen weltweit. Einer von zehn Todesfällen bei Erwachsenen gehe auf Tabak zurück, insgesamt 5,4 Millionen pro Jahr. Tabak töte bis zu jeden zweiten Konsumenten. Fast die Hälfte aller Kinder der Welt sei durch Passivrauchen belastet. Wegen des zeitlichen Verzugs zwischen Tabakkonsum und resultierenden Gesundheitsschäden habe die "Tabakepidemie" gerade erst begonnen, befürchtet die WHO. (nal/dpa)

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