Gesundheit : Tabakkonsum: Rauchen wird im 21. Jahrhundert die häufigste Todesursache sein

Eine Milliarde Menschen werden in diesem Jahrhundert dem Rauchen zum Opfer fallen, wenn die Zahl der Raucher nicht bald dramatisch schrumpft. Das stellen Experten vor der "11. Weltkonferenz zu Tabak oder Gesundheit" fest, die am Sonntag in Chicago beginnt. Hoffnung dagegen bei anderen Tumorerkrankungen: Impfstoffe gegen bestimmte Krebs erregende Viren sollen in wenigen Jahren zur Verfügung stehen.

Der tägliche Zigarettenkonsum sei dabei, zum größten Killer weltweit zu werden, und koste schon jetzt weit mehr Menschenleben als Aids, alle Auto- und Flugzeugunglücke und bewaffneten Konflikte zusammen, sagten Experten. Dabei sei es nie zu spät, den Glimmstengel auszudrücken, schreibt das "British Medical Journal" in seiner jüngsten Ausgabe. Selbst wer erst mit 60 Jahren das Rauchen aufgibt, kann das Risiko, an Lungenkrebs zu sterben, noch fast halbieren. Wer diesen Schritt vor dem 35. Lebensjahr geht, reduziert sein Lungenkrebsrisiko um 90 Prozent, und Ex-Raucher im Alter von 30 haben bis zum 75. Lebensjahr gerade noch ein zweiprozentiges Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie aus Oxford.

Der federführende Autor Richard Peto errechnete, dass derzeit jeder sechste Erdenbürger raucht und dass bis zum Jahr 2030 eine weitere Milliarde junger Erwachsener süchtig nach Zigaretten sein wird. In der gleichen Zeit wird die Zahl der Todesfälle durch Tabak jährlich von derzeit vier Millionen auf zehn Millionen steigen, sagt Peto voraus. Welche Strategien langjährigen Rauchern den Abschied von der Zigarette erleichtern und Jugendliche davon abhalten, den ersten Zug zu tun, erörtern Gesundheitsexperten und Politiker jetzt in Chicago.

Erst am Mittwoch hatte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bekannt gegeben, dass internationale Tabakkonzerne jahrelang vermeintlich unabhängige Experten bezahlt und in die Organisation eingeschleust haben, um den Kampf gegen das Rauchen zu untergraben. Die WHO legte in Genf Dokumente vor, die die Machenschaften der Tabakindustrie beweisen.

Erste klinische Prüfungen von Impfstoffen, die gegen so genannte Hochrisiko-Papillomviren schützen sollen, seien "sehr vielversprechend" verlaufen, teilte unterdessen der wissenschaftliche Vorstand des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ), Harald zur Hausen, am Donnerstag in Heidelberg mit. Diese Virus-Typen sind nach seinen Angaben für 70 Prozent aller Gebärmutterhalskrebse die Ursache. "Man schätzt, dass diese Impfstoffe nach dem Jahr 2003 auf dem Markt sein werden", sagte zur Hausen nach einer Mitteilung des DKFZ. Als "sehr aussichtsreich" erscheine auch ein kombinierter Impfstoff gegen Hepatitis- und Papillomviren. Er könne bei weltweiter Anwendung helfen, zehn bis 15 Prozent aller Krebserkrankungen zu vermeiden.

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