Gesundheit : Tag der Apotheke: Um den Jetlag zu überwinden, braucht der Körper 24 Stunden pro zwei Stunden Zeitverschiebung

Marion Hartig

Einsteigen in Berlin, rund sieben Stunden fliegen und in New York aussteigen. Nur noch einen Katzensprung entfernt ist der Flug über den großen Teich. Das schnelle Zurücklegen großer Distanzen durch die Lüfte bringt jedoch auch einen Nachteil mit sich: Jetlag heißt das Übel, mit dem viele Fernreisende zu kämpfen haben. Am Ziel angekommen sind sie müde, weniger leistungsfähig und haben plötzlich mitten in der Nacht Hunger und Durst.

"Subjektive Befindlichkeit" nennt Lutz Bergau, Leiter des medizinischen Dienstes der Lufthansa dieses Phänomen. Jetlag sei aber keine Krankheit. Durch die Zeitverschiebung wird die innere Uhr aus dem Takt gebracht, so der Mediziner. Körpereigene Rhythmen, wie Wach- und Schlafphasen, periodische Schwankungen der Körpertemperatur, Blutdruck und Hormonspiegel, passen nicht mehr zu der amtlichen Ortszeit. Dabei falle es "Abendmenschen" und jungen Leuten mit eher unplanmäßigem Tagesablauf meist leichter sich an die örtlichen Gegebenheiten zu gewöhnen, meint Bergau.

Doch der ferne Länder Bereisende ist dem Jetlag nicht hilflos ausgeliefert. Wirkungsvollstes Mittel zur Bekämpfung der Symptome ist Zeit, erklärt der Fachmann. 24 Stunden pro zwei Stunden Zeitverschiebung brauche der Körper durchschnittlich, um sich an die veränderten Umstände anzupassen. Dem sechs Stunden im Tagesverlauf zurückversetzten New York-Besucher empfiehlt sich beispielsweise eine Schonzeit von drei Tagen. Sich nicht im Hotelbett zu verkriechen, sondern das Tageslicht zu suchen, rät der Berliner Apotheker Andreas Dehne, denn Hell und Dunkel beeinflusse den Biorhythmus des Körpers. Außerdem helfe leichte Kost und der Verzicht auf Alkohol. Auch ein der Ortszeit des Reiseziels angepasstes Zu-Bett-Gehen ist günstig, meint Dehne. Wer den Weg in Richtung Westen einschlägt, könne bereits einige Tage vor Reiseantritt zwei Stunden später schlafen gehen, der gen Osten Fahrende entsprechend früher. Wer eine Weltreise plant, sollte zunächst in die USA touren und über Asien zurück nach Europa kommen. Der Tag wird nach Westen hin länger und das entspreche eher den äußerlich unbeeinflussten Bedürfnissen der inneren Uhr.

Eine klare Absage erteilen die Experten dem Einsatz von Medikamenten. Auch das in Mode gekommene Hormonpräparat Melatonin sei nicht empfehlenswert, sind sich Mediziner und Apotheker einig. Zu wenig seien noch die Nebenwirkungen des Medikamentes bekannt. "Es gibt keine Wundermittel", erklärt der Apotheker, die natürliche Anpassung sei die einzig richtige Methode. Nur in Notfällen und bei kurzfristig im Land verweilenden Geschäftsleuten könne ein Schlafmittel sinnvoll sein, um möglichst fit anzukommen.

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