Gesundheit : Tagesspiegel-Wettbewerb: Sintflut aus dem Kopierer

tiw

Selbst die Sintflut

Dauerte nicht ewig.

Einmal verrannen

Die schwarzen Gewässer.

Freilich, wie Wenige

Dauerten länger!

Die Muse hat Sie für unseren Campus-Gedicht-Wettbewerb noch immer nicht geküßt? Keine Angst. Selbst Bertolt Brecht, einer der größten deutschen Dichter, musste bis zu seinem 55. Lebensjahr warten, bevor er obiges Meisterwerk der Uni-Lyrik schuf. Brecht als Uni-Experte ist Ihnen sicher bekannt, behandelt er doch Teilaspekte des Campus-Lebens in zwei seiner Theaterheuler: die Kreide im "Kaukasischen Kreidekreis", das Geld für den Kaffeeautomaten in der "Dreigroschenoper".

Beim oberflächlichen Betrachten könnte man den Sechszeiler für ein Epigramm über die Universität an sich halten. Schließlich dauert für viele Studenten nichts länger als das Studium. Professoren geht es mit Vorlesungen ähnlich, den Mensa-Köchen mit der Schlange vor dem Bio-Essen auch. Bei näherer Analyse wird aber deutlich: Es handelt sich um die Hilfskraft am Kopierer, deren Innenleben Brecht bedichtet. Stunde um Stunde walzt eine Papierflut von Literaturlisten und Aufsätzen für den Professor durch den Kopierer, während die Hilfskraft über ihr trauriges Schicksal nachsinnt - für diesen Zustand wählte Brecht das Wort Sintflut. Schwarze Gewässer steht als Metapher für den Kopierer-Toner. Der verrinnt meistens nach der Plackerei.

Die Redaktion wartet gespannt auf ihre Einsendungen. Mitmachen kann jede/r, aber Thema muss das Leben an der Hochschule sein. Alle Dichter werden im Herbst zu einem Besuch in den Tagesspiegel eingeladen. Die besten drei Gedichte werden mit 500, 300 und 200 Mark prämiert, zehn weitere mit Buchpreisen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Einsendeschluss ist der zehnte Oktober. Zur Anregung drucken wir in den nächsten Tagen weiter Lyrik und kurze Interpretationen sowie erste Einsendungen von Lesern. Gute Chancen, gedruckt zu werden, haben Gedichte in maßvoller Länge. Eine Entscheidung über die Gewinner ist damit noch nicht getroffen (Einsendungen an die Redaktion des Tagesspiegel, Stichwort "Campus-Gedicht", 10876 Berlin. E-mails an infotsp@tagesspiegel.de , Stichwort "Campus-Gedicht". Fax: 26009-448).

Grübeln Sie nicht zu heftig! Man kann es auch kürzer sagen: "Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei" (Stephan Remmler über Brechts Leben, die Uni und Toner).

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben