Gesundheit : Tagung des Zentrums für interdisziplinäre Frauenforschung der TU

Anna Kochs

Die Einbeziehung der Frau in die gesellschaftliche Produktion, sprich die Berufsarbeit, galt seit Gründung der DDR als der wichtigste Schritt auf dem Wege zur Gleichberechtigung von Mann und Frau. Doch die Position der Frau im sozialistischen System ist schwieriger zu definieren, als es das Bild von der vollerwerbstätigen Arbeiterin auf den ersten Blick vermuten lässt. In welcher Weise unterschied sie sich von der gesellschaftlichen Stellung ihrer weiblichen Geschlechtsgenossinnen im Westen? Hier die berufstätige Arbeiterin weitgehend befreit von hausfraulichen und mütterlichen Pflichten. Dort die sorgende Hausfrau und Mutter. Die Grenzen zwischen Klischee und Wirklichkeit sind fließend. Dennoch lassen sich die Rollen der Frauen in den deutschen Teilstaaten nicht in steoreotype Bilder pressen.

Um eine etwas differenziertere Betrachtungsweise der Bildung und des Wandels von Geschlechterhierarchien in den beiden deutschen Teilstaaten bemühten sich Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen auf einem Kongress in den Räumen der Heinrich Böll Stiftung Berlin. "Frauen und Männer im geteilten Deutschland - Geschlechtergeschichten im Kalten Krieg" so der Titel der Tagung des Zentrums für interdisziplinäre Frauenforschung der TU. Der dort angesiedelte Arbeitskreis "Frauen nach 45" hat sich die die zeitgeschichtliche Frauen- und Geschlechterforschung im internationalen und deutsch-deutschen Vergleich zum Schwerpunkt gesetzt.

"Karrierefrauen" galten im Westdeutschland der Nachkriegszeit als Einzelerscheinung. Die Historikerin Christine von Oertzen lenkte den Blick auf die wenigen Frauen, die in den 50er und 60er Jahren Führungspositionen in Wirtschaft, Politik und Presse erklommen. Dennoch, ob Akademikerin oder Hausfrau: "Was zählte, war in Westdeutschland vor allem ein Ehemann", so von Oertzen. "Sie wollten demonstrieren, dass sie über den Ansprüchen einer eigenen Berufslaufbahn auch den Ehe- und Familienpflichten nachkommen konnten." Dieser "Normalisierungsdruck" sei ein Grund, dass über die Berufslaufbahnen von Frauen in der 50er und 60er Jahren so wenig bekannt sei.

Mit der im Sozialismus herrschenden Vorstellung mit der Zulassung der Frau zu allen Berufen sei die Frage der Emanzipation bereits gelöst, wurde Rita Süßmuth konfrontiert, als sie das Gespräch mit Frauen aus den neuen Bundesländern suchte. Im Rahmen einer Podiumsdiskussion mit anderen Zeitzeugen erinnert sie sich: "Die fanden das komisch, dass wir über den Feminismus diskutierten. Eine Frage, die für sie bereits erledigt war. Sie empfanden eine solche Diskussion als unwürdig." Die Entwicklung weiblicher Erwerbstätigkeit in Ost und West war nur einer der Aspekte, den die Teilnehmerinnen aufgriffen. Die Bedingungen unter denen sich die deutschen Nachkriegsgesellschaften und damit das Verhältnis der Geschlechter neu formierte, schilderte Alexander von Plato. "Die Wände des Schweigens zwischen zwischen den Geschlechtern durch die unterschiedlichen Erfahrungen im Krieg und auf der Flucht waren stärker, zugleich aber waren die Erwartungen vom jeweils anderen Geschlecht besonders hoch."

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