Gesundheit : Technologietransfer: Neue Produkte dringend gesucht

Bärbel Schubert

Die schnelle Umsetzung von Forschungsergebnissen in marktfähige Produkte beschäftigt Wirtschaft und Politik seit rund 20 Jahren. Das ist in allen Industriestaaten so, denn ein schneller Technologietransfer gilt zunehmend als der entscheidende Schlüssel zu wirtschaftlichem Erfolg im internationalen Wettbewerb. Allerdings wird in Deutschland seit Jahren beklagt, dass die Umsetzung nur unzureichend gelingt. Die Bundesregierung plant nun eine Marktoffensive und will dazu Wirtschaft und Wissenschaft an einen Tisch bringen. Bundeskanzler Gerhard Schröder hat für den Mittwochabend Experten aus Wissenschaft und Wirtschaft zu einem Gespräch ins Kanzleramt eingeladen, um die gewünschte Annäherung anzubahnen.

Erster Ansatzpunkt ist die Förderung von Firmengründungen durch Hochschulabsolventen und Forscher der Institute. Solche Ausgründungen werden heute als der dominante Weg für den Technologietransfer gesehen - als "Motor für Innovation und Beschäftigung", wie es im Politikjargon heißt. Die Nachwuchswissenschaftler entwickeln dabei aus ihren Ideen und Forschungsergebnissen marktfähige Produkte. Daraus entsteht ihre Firma. Am besten hat das in den letzten Jahren in den USA geklappt. Dort werden Erfindungen insgesamt anerkannt gut vermarktet. Im Jahr werden aus 7400 Patenten rund 725 Millionen Dollar Einkommen erzielt, rechnet Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) vor. In Deutschland werden diese Daten bisher nicht einmal erfasst.

Bulmahn hat bereits ein neues Patentrecht für Hochschullehrer in Planung. Professoren sollen nicht mehr allein über die Patentanmeldung von Erfindungen entscheiden, die sie im Dienst machen. Anders als andere Arbeitnehmer durften sie ihre Erfindungen bisher selbst wirtschaftlich auswerten. Künftig sollen die Hochschulen dieses Recht bekommen, im Gegenzug die Patentkosten tragen und die Erfinder bis zu einem Drittel an den Erlösen beteiligen. Bulmahn: "Die Hochschulen bekommen damit einen Anreiz, Erfindungen zu verwerten und zum Patent anzumelden".

Doch auch an anderen Stellen gibt es Probleme. So bringen weniger Unternehmen als angenommen forschungsbasierte neue Produkte auf den Markt. Bulmahn berichtete, dass 5000 Firmen in den letzten Jahren neue Produkte auf den Markt gebracht haben, die ohne Forschung und Entwicklung nicht möglich gewesen wären. Auf der anderen Seite betreiben rund 23 000 Unternehmen in Deutschland regelmäßig Forschung und Entwicklung.

Zur Untersuchung der Situation an den deutschen Forschungsienrichtungen hat die Ministerin inzwischen eine Studie des Fraunhoferinstituts für Systemtechnik in Karlsruhe vorliegen. Der Wissenschaftsrat hat im Auftrag von Bund und Ländern bereits alle Forschungseinrichtungen begutachtet. Dabei hat sich unter anderem herausgestellt, dass der Out-put der deutschen Forschungslandschaft unter der strengen Aufteilung nach Aufgabengebieten leidet. So ist die Fraunhofer-Gesellschaft auf die anwendungsorientierte Forschung spezialisiert, die Max-Planck-Gesellschaft für die Grundlagenforschung und die Deutsche Forschungsgemeinschaft für die Forschung an den Hochschulen zuständig. Die Großforschungseinrichtungen des Bundes - inzwischen Helmholtz-Forschungsgemeinschaft - haben sogar nach dem Bedeutungsverlust der Atomforschung eine eindeutige Aufgabe verloren. Die Institute haben sich neue Aufgaben gesucht, etwa in der Gesundheits- und Krebsforschung. Und die Gesellschaft für Mathematik und Datenverarbeitung bei Bonn soll künftig der Fraunhofer-Gesellschaft angehören.

Der Fraunhofer-Gesellschaft bescheinigt die Studie der Karlsruher Forscher beim Technologie-Transfer eine "zentrale und effiziente" Rolle. Sie unterstütze "in maßgeblicher Weise Modernisierungsstrategien der deutschen Industrie". Der Transfer zu den Unternehmen wird dabei hauptsächlich direkt über Auftragsforschung realisiert. Die wesentlichen Herausforderungen der nächsten Jahre für die schon sehr erfolgreichen Fraunhofer-Forscher sieht die Studie in den forschungsintensiven Technologien, wie der Biotechnologie und der Informationstechnologie. Kooperationsprojekte sollen entsprechende Forschungsprojekte auch mittel- und langfristig ermöglichen.

Der Max-Planck-Gesellschaft wird zugestanden, dass sie sich in den letzten Jahren für von der Industrie finanzierte Projekte und damit für mehr Wissens- und Technologietransfer geöffnet hat. Auch den Fachhochschulen wird eine wichtige Rolle beim Technologietransfer attestiert: bei regionalen Transfers.

Das Gespräch beim Bundeskanzler soll nun dazu beitragen, den Informationsaustausch zwischen Wirtschaft und Wissenschaft zu verbessern. "Man muss voneinander wissen, um Forschungsprojekte und passende Firmen zusammenzubringen", sagt Bulmahn. Dazu soll künftig auch eine Internet-Plattform beitragen, auf der sich beide Seiten vorstellen können. Diese Entwicklung soll das Ministerium fertig stellen.

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