Gesundheit : Thesen zur Apokalypse: Die Welt ist krank

Bas Kast

Der Untergang kommt immer näher. "Eine Prognose ... kommt zu dem Ergebnis, dass die Welt bis 2070 sämtliche Möglichkeiten der Mikrobenbekämpfung mit Medikamenten ausgeschöpft haben wird, weil die Viren, Bakterien, Parasiten und Pilze eine völlige Resistenz gegen das gesamte pharmazeutische Arsenal ausgebildet hätten." Wenn es nach Laurie Garrett und ihrem neuen Buch "Das Ende der Gesundheit" geht, steht der Weltuntergang unmittelbar bevor.

Die Apokalypse hat den Charme der Endgültigkeit, und die Vorstellung, den eigenen Untergang auf dem Velours-Sofa mit einer Packung gesalzener Erdnüsse und einer Pulle Bier entgegenzulesen, besitzt etwas Romantisches. Doch nach 500 Seiten geht auch das allmählich auf die Nerven. Die Schadenfreude schlägt um in Überdruss.

Das ist bedauerlich, denn in vielem hat Garrett Recht. Und ihr Buch ist zweifellos gut recherchiert. Aber ständig wiederholt sich die Autorin, wiederholt Zahlen, Geschichten, Kommentare. Doch beim fünften Mal wird einem selbst der beste Witz lästig.

Im zweiten Kapitel beschreibt Garrett die Entstehung der Ebola-Epidemie in Afrika. Ihre Reportage der miserablen Situation in den Krankenhäusern dort ist brillant. Das aber reicht der ehrgeizigen Pulitzer-Preisträgerin und Journalistin der US-Zeitschrift "Newsday" nicht.

Hinter jeder Epidemie wittert sie die Politik. Das ist ein Teil der Wahrheit. Aber wenn Garrett die Wahrheit darauf reduzieren möchte, wirkt das einfach unglaubwürdig: Ebola "hatte keine geheimen Kräfte, und es war auch nicht ungewöhnlich ansteckend ... Erst die Mithilfe von Habgier, Korruption und Despotismus sorgte dafür, dass es auf die menschliche Bevölkerung übergriff."

Tatsächlich ist Ebola ungewöhnlich ansteckend - ironischerweise liefert Garrett dazu selbst die Belege, wenn sie schreibt, dass "das Einatmen von ... Ebola-Viren bei Rhesusaffen eine tödliche Infektion auslösen kann." Oder dass die Viren "in menschlichen Hautzellen vorkommen können, so dass möglicherweise der bloße Hautkontakt zur Infektion genügt."

Garretts Griff zur ideologischen Trillerpfeife ist ärgerlich - nicht nur weil es Seiten gibt, die überaus lesenswert sind. Sondern vor allem deshalb, weil man ihr dadurch den Untergang, dort, wo er tatsächlich droht, fast nicht mehr abnimmt.

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