Gesundheit : Thierse kämpft für sein altes Institut

Amory Burchard

„Zehn Jahre sind nicht viel“, hält Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse den Mitarbeitern des Berliner Zentrums für Literatur- und Kulturforschung (ZfL) am Mittwochabend in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften augenzwinkernd vor. Die lachen ahnungsvoll auf. Dem ZfL ist sein gerade einmal zehnjähriges Bestehen eine üppige Feier mit prominenten Rednern wert. Schließlich weiß niemand, ob es sein 25-jähriges Jubiläum jemals erreicht.

Der Wissenschaftsrat hat dem Zentrum zwar kürzlich exzellente Arbeit bescheinigt. Gleichzeitig aber empfahl er, die bislang außeruniversitären Geisteswissenschaftlichen Zentren an die Unis zu binden, um dort die Forschung zu stärken. Von einem kleinen Stab geleitete Forschungskollegs, an denen Gastwissenschaftler ein Jahr lang forschen, wären das Aus für die Zentren in ihrer heutigen Form, kritisiert ZfL-Direktorin Sigrid Weigel. Sie haben ein bis zwei Professoren und ein Team von Nachwuchswissenschaftlern, das am ZfL international beachtete Projekte von „Europa als Imaginationsraum“ bis „Epigenetics“ bearbeitet. An den Forschungskollegs hätten sie keine Chance auf Weiterbeschäftigung.

Wissenschaftssenator Thomas Flierl sieht keine Alternative zur Integration des ZfL an die Humboldt-Universität oder die Freie Universität. Berlin wolle seinen Anteil am ZfL-Etat auch ab 2008 weiterzahlen, verspricht Flierl. Aber wer springt für die dann auslaufende Projektförderung durch die DFG ein? Weigel fürchtet, dass ihr Zentrum an einer der ohnehin unterfinanzierten Unis untergehen würde – und setzt auf das Bundesforschungsministerium (BMBF). Das könnte doch ein gemeinsames Zentrum beider Unis finanzieren, mit der bisherigen Personalausstattung. Darüber werde sie im Juni mit Ministerin Annette Schavan sprechen, sagt Weigel. Ein BMBF-Sprecher bestätigte gestern: „Wir denken über die institutionelle Förderung der Geisteswissenschaftlichen Zentren nach.“

Wolfgang Thierse, der einst am renommierten DDR-Vorgängerinstitut arbeitete, will für das ZfL kämpfen – als Gründungsmitglied eines neuen Vereins der Freunde und Förderer. Wenn man das hymnische Lob des Wissenschaftsrats ernst nehme „braucht dieses Zentrum Zukunft“, sagt Thierse.

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