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Der Berliner Germanist, Editor und Lexikograph Hans-Gert Roloff wird 70 Jahre alt

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Er gehört zu den Großen seines Faches, die immer dann mit neuen Ideen auftreten, wenn sie auf die Lücken und faulen Kompromisse ihrer Disziplin treffen. Hans-Gert Roloff startete sein Studium 1951 an der Freien Universität Berlin. Später gab er ihr wichtige Impulse und internationale Reputation – weniger mit eigenen Schriften als durch die vielen Projekte, die er initiierte. Dazu gehören die Ausgaben „Deutsche Literatur des XV bis XVIII Jahrhunderts“ (ADL), die er seit 1966 herausgibt, das auf über 70 Bände angelegte Lexikon „Die Deutsche Literatur“ oder die Betreuung internationaler Zeitschriften. Vieles davon Projekte, mit denen er das Gesicht der Germanistik geprägt hat. Das hat ihm breite Anerkennung eingetragen, zahlreiche Gastprofessuren und den Ehrendoktor der Universität Wroclaw (Breslau), der er eng verbunden ist.

Seit seiner Dissertation 1965 an der Technischen Universität Berlin ist sein Thema die Zeit zwischen Mittelalter und Weimarer Klassik: die Frühe Neuzeit. In ihr verortete er eine Mittlere Deutsche Literatur, für die er ein eigenes Forschungszentrum gründete und mit an die Freie Universität nahm. Roloff erweckte die vergessenen Großen an der Wende zur Neuzeit zu neuem Leben. Thomas Naogeorg, Johannes Reuchlin, Johann Beer, Christian Weise, Herzogin Sophie Elisabeth, Daniel Czepko, Georg Wickram und viele andere.

Bei ihrer Edition war er unermüdlich, bewegt von der Frage: Wie kann man über die deutschen Autoren reden, ohne auch nur eine Übersicht darüber zu haben, wie viele es waren und was sie geleistet haben? Also begründete Roloff ein dem Detail verpflichtetes Autorenlexikon. Manches Projekt wird wohl Stückwerk bleiben, aber der unverbesserliche Optimist hat der Literaturwissenschaft seinen Weg aus ihrer Bedeutungslosigkeit gezeigt: In großen Projekten denken.

Hans-Gert Roloff wird am 11. September 70 Jahre alt. Walter Delabar

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