Gesundheit : Tief gefallen

KMK: Wirtschaft engagiert sich nicht in der Berufsbildung

Uwe Schlicht

Die Kultusminister sind über die Entwicklung der beruflichen Bildung besorgt. Die berufliche Ausbildung in den Betrieben sei in einem dramatischen Ausmaß zurückgegangen. In den alten Ländern bildeten nur noch 30 Prozent der Betriebe aus, in den neuen Ländern nur 27 Prozent. 1991 seien noch 75 Prozent der 17- bis 19-Jährigen mit Lehrstellen versorgt worden, im Jahre 2002 sei dieser Anteil auf 62 Prozent zurückgegangen.

Dieses abnehmende Engagement der Wirtschaft und der Verwaltung in der Lehrlingsausbildung habe gravierende Folgen. Die Ausbildungsströme verlagerten sich aus dem dualen System, und damit aus den Betrieben, in berufliche Vollzeitschulen. Diese Entwicklung sei nicht gewollt, denn die betriebliche Ausbildung biete den Jugendlichen nach wie vor bessere Berufschancen als berufliche Vollzeitschulen. Inzwischen würden 465 000 Jugendliche im Berufsbildungsgrundjahr oder in Berufsfachschulen ausgebildet. Die finanziellen Belastungen der Länderhaushalte seien dadurch auf mehr als sechs Milliarden Euro gestiegen.

Obwohl sich die Betriebe aus der Lehrlingsausbildung zurückziehen, akzeptiere die Wirtschaft nicht in dem gebotenen Umfang die Leistungen, die von den schulischen Einrichtungen im Berufsbildungsgrundjahr oder den Vollzeitschulen erbracht werden. Das gehe auf Kosten der Jugendlichen, die nach der schulischen Ausbildung Warteschleifen ausgesetzt seien und bei ihrer weiteren Ausbildung mehrfach dasselbe lernen müssten. „Dies führt zu Doppelungen in der Ausbildung, zu einer unnötigen Verlängerung der Ausbildungszeit und zur Verschwendung von Ressourcen.“ Außerdem würden die Sozialpartner und der Bund die Ausbildungsdauer von drei Jahren unterlaufen, indem die tatsächliche Ausbildungszeit auf dreieinhalb Jahre ausgeweitet werde.

Die Kultusminister fordern daher von der Wirtschaft, die Abschlüsse berufsqualifizierender Vollzeitschulen „als vollwertige Zugänge zum Arbeitsmarkt“ zu akzeptieren. Außerdem müssten deren Absolventen zur Abschlussprüfung an den Industrie- und Handelskammern oder Handwerkskammern uneingeschränkt zugelassen werden. Und die Zeiten der beruflichen Qualifizierung in den Vollzeitschulen müssten auf die Ausbildungszeit voll anerkannt werden.

Diese Maßnahmen könnten dazu führen, dass sich die Ausbildungszeit auf drei Jahre begrenzen lasse. Außerdem sei es notwendig, auch für Hauptschulabsolventen die Chancen in der Berufsausbildung offen zu halten. Die Kultusminister appellieren an die Wirtschaft, arbeitsmarktfähige Ausbildungswege zu schaffen, die nur zwei Jahre dauern und jene Jugendlichen auffangen, die sonst keinen Abschluss erreichen.

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