Gesundheit : Tollwut durch gespendete Organe? Vermutlich sechs Patienten infiziert

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Durch Organspenden haben sich erstmals in Deutschland sechs Patienten wahrscheinlich mit lebensgefährlicher Tollwut infiziert. Drei Patienten in Hannover, Marburg und HannoverschMünden seien vermutlich an Tollwut erkrankt, berichtete die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) am Mittwoch im hessischen Neu-Isenburg. Drei Menschen in Heidelberg und Mainz hätten ebenfalls Organe der „höchstwahrscheinlich“ mit dem tödlichen Virus infizierten Spenderin erhalten, ihnen gehe es aber gesundheitlich gut.

„So etwas hat es in Deutschland noch nie gegeben“, sagte DSO-Vorstand Günter Kirste. „Allerdings ist uns ein vergleichbarer Fall aus den USA vom letzten Sommer bekannt.“ Tests am Hamburger Tropeninstitut und an der Universitätsklinik Essen sollen klären, ob die Spenderin tatsächlich mit Tollwut infiziert war. Mit einem abschließenden Ergebnis werde bis spätestens Donnerstagvormittag gerechnet, sagte der Geschäftsführende Arzt der DSO für Baden- Württemberg, Werner Lauchart, in Heidelberg.

Die Organspenderin, der im Dezember in Mainz Lunge, Niere, Bauchspeicheldrüse, Leber und Augenhornhaut entnommen worden waren, habe keine Tollwut-Symptome gezeigt. Alle Organe seien vor der Transplantation auf Bakterien, Viren oder Tumore untersucht worden, betonte Lauchart. Ärztliche Fehler hat es nach DSO-Angaben nicht gegeben. Erst im Nachhinein sei über Familienangehörige bekannt geworden, dass sich die Frau im Oktober vergangenen Jahres in Indien aufgehalten habe. In Indien gibt es nach Laucharts Angaben pro Jahr 30000 bis 50000 Tollwuttote.

„Leider ist es medizinisch nicht möglich, solche seltenen Infektionen im Voraus – trotz umfassender Untersuchungen des Organspenders – auszuschließen. Ein potenzielles Restrisiko durch solche Infektionen bleibt somit bei jeder Transplantation bestehen“, erläuterte Kirste. Dieser bedauerliche Ausnahmefall dürfe aber auf keinen Fall die Wichtigkeit der Organspende und Transplantation als etabliertes Behandlungsverfahren in Frage stellen.

Die Medizinische Hochschule Hannover berichtete, ihre betroffene Patientin befinde sich in einem kritischen Zustand. Ob akute Lebensgefahr besteht, wollte die Hochschule nicht angeben. Auch der Zustand eines Patienten in Marburg ist nach Klinikangaben sehr kritisch. Eine spezifische Tollwut-Therapie gibt es nicht. Ist die Krankheit ausgebrochen, endet sie fast immer tödlich. Vor Ausbruch der Symptome ist aber auch nach der Infektion eine Impfung möglich. Zwischen Infektion und Ausbruch der Tollwut können Wochen bis Monate vergehen. dpa

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