Gesundheit : Transplantation und Obduktion: "Bei Gelegenheit wegwerfen"

Henrik Bebber

"Der Schmerz, der den Eltern durch diese furchtbare Praxis zugefügt wurde, kann nicht vergeben werden", sagte Gesundheitsminister Alan Milburn vor dem Parlament. Fassungslos vernahmen die Abgeordneten den Untersuchungsbericht über die Kinderklinik Alder Hey in Liverpool, wo Körperteile der dort gestorbenen Patienten ohne Wissen der Eltern aufbewahrt wurden.

Über 2000 Herzen, 1500 Totgeburten und eine Unmenge von Gliedmaßen, Gewebeteilen und ganze Körper von Kleinkindern werden in dem Report aufgeführt. Er wurde von der Regierung letztes Jahr in Auftrag gegeben, als durch Zufall die Machenschaften des an dem Krankenhaus tätigen Pathologen Dick van Velzen bekannt wurden. Der holländische Arzt hatte zwischen 1988 und 1995 gestorbenen Kindern Organe ohne Wissen der Eltern zu "Forschungszwecken" entnommen.

Van Velzen verließ Liverpool 1995 und wechselte an eine Kinderklinik im kanadischen Halifax. Dort leitete er zwei Jahre lang die pathologische Abteilung, bis er 1998 entlassen wurde. Im September vergangenen Jahres erließ die kanadische Polizei Haftbefehl gegen ihn, nachdem in einem Lagerhaus acht Kinderorgane entdeckt worden waren. Van Velzen arbeitet derzeit an einer Klinik in Den Haag. Gesundheitsminister Milburn sprach den Eltern sein "tief empfundenes Mitgefühl" aus und entschuldigte sich im Namen der britischen Regierung für die "Inkompetenz und die Gefühlslosigkeit" der Krankenhausverwaltung, die den Pathologen hätte schalten und walten lassen. Durch diese Grausamkeit sei das Leid der Eltern um ihre gestorbenen Kinder noch vergrößert worden. So beerdigte Janet Dacombe ihren Sohn James zum ersten Mal vor zehn Jahren. In den vergangenen beiden Jahren folgten zwei weitere Beisetzungen, als das Krankenhaus nach und nach die wieder gefundenen Organe des Jungen der Mutter zurückgab. Die Behälter mit den Leichenteilen waren oft mit pietätlosen Aufschriften versehen: "Bei Gelegenheit das angerissene Gewebe trennen und dann wegwerfen", stand als Hinweis für einen Torso.

Das Gesundheitsministerium will nun auch strafrechtlich gegen die Beteiligten an diesem Leichenfrevel vorgehen. Dieser beschränkte sich den Angaben des Ministeriums zufolge nicht auf das Krankenhaus in Liverpool. Der Report stellte nämlich fest, dass auch in anderen Hospitälern Organe ohne elterliche Einwilligung entnommen wurden.

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