Gesundheit : Treffpunkt Tagesspiegel: Die Verantwortung zur Förderung des Nachwuchses liegt bei Universitäten und Unternehmen

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So schwer kann es doch eigentlich nicht sein, aufstrebende Nachwuchsmanager zu gewinnen: Jedes Jahr beenden Tausende von "Wiwis", wie die Wirtschaftswissenschaftler genannt werden, ihr Studium. Trotzdem gilt: Gerade große Unternehmen haben Probleme, geeignete Nachwuchskräfte im Management zu finden und zu halten. Unter dem Motto "Fördern und Fordern" lud darum der Tagesspiegel am Mittwochabend Personalexperten zu einer Diskussion darüber ein, welche Strategien Unternehmen, Personalberater und Hochschulen bei der Entwicklung des Nachwuchses verfolgen.

Dass die Betreuung der Nachwuchskräfte in erster Linie Chefsache ist, darüber war man sich schnell einig. "Die Führung muss die jungen Leute ranlassen", sagte Horst Blumenstock, Personalleiter bei der Holtzbrinck-Verlagsgruppe. Dabei sei vor allem im Bereich der Neuen Medien die Erwartung der jungen Menschen sehr hoch. Die Führung bezeichnete auch Dirk Sebald, Vorstandsmitglied der Cognos AG, als entscheidend für eine erfolgreiche Nachwuchsarbeit. "Ein Chef muss loslassen können, sonst ist guter Nachwuchs auf die Dauer nicht zu halten", sagte Sebald. Auch bei der Hamburger Cognos AG, einem der größten Weiterbildungsanbieter in Deutschland, habe man Probleme, gute Leute zu finden und zu halten. Immer wieder, so Sebald, würden Berater von den zu beratenden Unternehmen abgeworben.

Wer seinen Jung-Manager an die Arbeit schickt, ihn machen lässt und ab und zu mal nachsieht, was dabei herauskommt, macht es nach Ansicht der auf dem Podium versammelten Experten aber auch nicht richtig. Für Ansgar Kinkel, Seniorberater bei der Kienbaum Management Consultants GmbH, ist die persönliche Nähe zwischen Chef und Nachwuchs ganz wichtig.

"Die Förderung wird individueller", hat Kinkel festgestellt. Bereits bei der Einstellung stiegen auch die Anforderungen an die sozialer Kompetenz der Bewerber, an Qualitäten wie Teamfähigkeit und Kommunikationsvermögen. Dass der Spaß-Charakter bei dem ganzen nicht zu kurz kommen dürfte, forderte eine Teilnehmerin aus dem Publikum. Auf dem Podium war man sich aber schnell einig, dass Spaß im Sinne von kurzfristigen emotionalen Höheflügen nicht ausreiche. Wichtiger, so waren sich die Podiumsteilnehmer einig, sei eine dauerhafte Freude an der Arbeit. Dieter Gebert von der Technischen Universität Berlin (TU) plädierte dafür, die "Sinnfrage" nicht zu vergessen: "Nur wenn die Arbeit als sinnvoll empfunden wird, befriedigt sie auf Dauer, und nur dann lassen sich auch Durststrecken, wie sie in jedem Beruf vorkommen, überwinden."

Vom ehemaligen Berliner Wissenschafssenator George Turner, der die Diskussion moderierte, kam die Frage nach den Inhalten der Hochschulausbildung. Werde den Studenten nicht über die Studieninhalte bereits suggeriert, dass sie später alle entweder Vorstandsvorsitzende oder Wirtschaftsminister werden würden? Eine "implizite Erwartungshaltung" werde durch die Universitätsausbildung vielleicht geweckt, gab Gebert zu. Trotzdem gehöre es zu den Kernaufgaben der Universitäten, neben Fachwissen vor allem Denkvermögen und analytische Fähigkeiten zu vermitteln. Wirtschaftsjournalistin Regina Henkel wies darauf hin, dass an der Spitze nur Platz für rund zwei Prozent aller Manager sei - Enttäuschungen und Frust im Arbeitsleben seien damit vorprogrammiert. Die Frage, wie ein als "High-Potential" eingestellter Nachwuchsmanager mit dem Frust fertig wird, wenn die Leiter nach oben nicht bis ganz an die Spitze reicht, blieb an diesem Abend allerdings weitgehend unbeantwortet.

"Selbstkritische Analyse" auf beiden Seiten, empfahl Ansgar Kinkel. Dirk Sebald forderte mehr Mut von Führungskräften, in diesen Situationen offen miteinander zu sprechen und keine falschen Erwartungshaltungen aufzubauen. Dass neben dem Fachwissen soziale Fähigkeiten im Berufsleben immer wichtiger werden, war Konsens auf dem Podium. Auch in der Aus- und Weiterbildung werden die "weichen Themen" immer stärker nachgefragt. Die Technische Universität macht da keine Ausnahme: "Das Ziel, Sozialkompetenz zu vermitteln, ist akzeptiert - wir wollen das in allen Studiengängen in Zukunft verstärkt fördern", sagte Gebert. Dafür gebe es aber bislang noch wenig Strategien. Gebert warnte vor der Illusion, an der Universität ließe sich in Veranstaltungen nachholen, was im Leben der jungen Studenten versäumt worden sei. "Sie stoßen da an systematische Grenzen. Mit ein paar Kursen alleine lassen sich aus jungen Menschen keine reifen Persönlichkeiten entwickeln."

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