Gesundheit : TU Berlin streitet über ihre Zukunft

Tina Rohowski

Die Technische Universität Berlin streitet über das Zukunftskonzept, das ihr Präsident Kurt Kutzler jetzt verordnet hat. TU-Mitarbeiter kritisierten gestern auf einer Vollversammlung, dass sie bislang zu wenig in die Arbeit am Zukunftskonzept einbezogen wurden. Man fühle sich „überrollt“, hieß es in der Diskussion im lediglich halb gefüllten Audimax. Kutzler hielt ihnen entgegen: „Wenn ich nichts fordere, dann bewegt sich hier gar nichts.“

Die Zukunft der TU sehe er „auf einer Stufe mit Stanford und anderen Spitzenuniversitäten“, hatte der Präsident zuvor erklärt. Das Konzept sehe vor, die Forschung auf sieben „Schwerpunktfelder“ zu konzentrieren – darunter Mobilität und Verkehr sowie Gesundheit oder die Gestaltung von Lebensräumen. Auf diese Schwerpunkte sollen auch Berufungspolitik und Nachwuchsförderung ausgerichtet werden. Junge Wissenschaftler könnten dann etwa eine „Tenure Track“-Professur erhalten. Neue Stellen sollen für das Zukunftskonzept allerdings nicht geschaffen werden. Kutzler will die Pläne durch „Umstrukturierungen“ und „mit viel Fantasie in der Finanzierung“ umsetzen.

Vor allem die Geisteswissenschaftler befürchten nun Kürzungen. „Was nicht passt, wird einfach fallengelassen“, kritisiert Adrian von Buttlar, Dekan der Geisteswissenschaftlichen Fakultät. „Das zerstört viele Forschungsprojekte, die wir aufgebaut haben.“ Die angekündigte Berufungspolitik könnte zudem „eine zu starke Planwirtschaft von oben“ zur Folge haben. Und auch die Studierenden haben Einwände: Mit der Konzentration auf wenige Schwerpunkte gehe „die Vielfalt der Uni verloren“, sagt Rosemarie Röder, Studentin des Technischen Umweltschutzes. Die TU stürze sich auf „derzeit populäre Themen“, aus denen sich in Kooperation mit Wirtschaftsunternehmen „sofort Geld machen lässt“.

Kutzler indes setzt darauf, in jedem der sieben Zukunftsfelder mindestens zwei DFG-Sonderforschungsbereiche einzuwerben. Damit würde die TU zur Humboldt-Uni und zur Freien Universität aufschließen. „Wenn wir das nicht schaffen, dann sind wir keine Spitzenuniversität mehr“, sagte Kutzler.

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