Gesundheit : TU Berlin verabschiedet Ex-Präsident

Uwe Schlicht

Es war eine Überrumpelung, aber sie hat Geschichte gemacht. Auf dem Neujahrsempfang 1990 trat der Präsident der Berliner Technischen Universität, Manfred Fricke, vor die versammelte Prominenz aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft und verkündete, dass es mit der Technischen Universität so nicht weitergehen könne. Durch die Hochschulreform von 1970 sei die TU in viel zu viele Fachbereiche zersplittert worden, nämlich über 20. Viele dieser Fachbereiche seien zu klein, um noch über die Grenzen des Faches hinweg Anstöße in  der Wissenschaft zu bieten.

Veraltete Studiengänge würden am Leben gehalten, nur weil die Existenz etlicher Fachbereiche an diesen Studiengängen hänge. Und die Gremien in der TU seien in der Routine erstickt, so dass es keine Gelegenheit gebe, um große Fragen der Hochschulreform zu diskutieren. Zugleich forderte Fricke, künftig Geld und Personal nach Leistung zu vergeben. Das war starker Tobak, und der Akademische Senat zeigte wenig später, was er von diesem revolutionären Vorstoß hielt: nämlich gar nichts. Für Frickes Vorschlag stimmten nur zwei von 25 Senatsmitgliedern.

Aber Fricke gab nicht auf, und heute ist die TU nach seinen Denkanstößen auch mit Hilfe seiner Nachfolger neu geordnet worden. Nach seiner 1993 zu Ende gegangenen Amtszeit wurde Fricke wegen seiner Anstöße für die Hochschulreform mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Als Reformexperte wurde er nach der Wiedervereinigung in Berlin unentbehrlich. Die TU verdankt ihm den modernsten Flugsimulator seiner Zeit, an dem bis heute Piloten auf den Einsatz im Airbus vorbereitet werden. Selbst die Chinesen wurden auf den Experten für Flugsicherung und Luftverkehr, der Fricke von Hause aus ist, aufmerksam und verliehen ihm den Titel Ehrenprofessor.

Heute empfindet die TU nur noch Dankbarkeit, und sie verabschiedete ihren  68-jährigen einstigen Präsidenten mit einem Festakt im Lichthof in die Emeritierung.

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