Gesundheit : TU kooperiert mit der Industrie: Initiative in Informatikerschulung

Heiko Schwarzburger

Die Gesellschaft für Informatik (GI) fordert mehr Geld für dieses Fach an den Hochschulen und in der Forschung. Vor allem die so genannte Softwaretechnik, die von Ingenieuren hergestellte Software, werde in den kommenden Jahren eine Schlüsselrolle spielen. "Die USA haben die Bedeutung der Softwaretechnik für die Zukunft ihrer Volkswirtschaft schon erkannt", meinte GI-Präsident Heinrich Mayr auf einer Pressekonferenz in der Berliner TU. "Auch wir müssen nun alle verfügbaren Kräfte konsequent koordinieren."

Die Vereinigten Staaten stellten kürzlich 366 Millionen US-Dollar für ein neues Förderprogramm in der Grundlagenforschung für Software bereit. Der Etat für Softwareforschung soll sich bis 2004 auf 540 Millionen US-Dollar verfünffachen. "Uns allen ist klar, dass Deutschland hier nicht mithalten kann", sagte Mayr. "Wir sollten uns auf strategische Leitprojekte konzentrieren, um in einigen Bereichen Spitzenstellungen zu erlangen." Konkrete Vorschläge für neue Förderprogramme in Deutschland will die Bundesregierung bis Anfang 2001 vorlegen.

Mit der Softwaretechnik soll die Programmierung von komplexen Produkten für das Internet billiger werden. "Auch die Qualität und Zuverlässigkeit von Software lässt oft zu wünschen übrig", meinte Stefan Jähnichen von der Technischen Universität (TU). So war der Prototyp der Rakete Ariadne 5 beim Erststart wegen eines Softwarefehlers abgestürzt. Der Verlust belief sich auf rund vier Milliarden Mark. Immer wieder treten bei der automatischen Steuerung von Flugzeugen Probleme auf, weil die Bordcomputer auf bestimmte Flugmanöver falsch reagieren. Auch das Betriebssystem Windows ist nicht fehlerfrei. Seit sich mit Linux eine billige und vor allem zuverlässigere Alternative bietet, büßt Microsoft Kunden ein.

"Für die UMTS-Lizenzen hat die Industrie etliche Milliarden hingeblättert", rechnete Jähnichen vor. "Um dieses Geld mit softwaregestützten Dienstleistungen wieder hereinzuholen, müssen für die Programmierung dieser Dienste ähnliche Summen investiert werden. Diese Dienste müssen fehlerfrei funktionieren."

TU-Präsident Hans-Jürgen Ewers kündigte an, die Ausbildung von Fachleuten in der Informatik kurzfristig auszubauen. "Wir bieten den Studenten anderer Fächer ein dreimonatiges Infomatikpaket, das über den bisherigen Stundenplan weit hinaus geht", erläuterte er. Jeder dieser Studenten soll von kooperierenden Firmen ein Stipendium erhalten, um den Zusatzkurs zügig zu beenden. Anschließend erhalten die Absolventen von den Firmen einen Arbeitsvertrag. Bislang geben IT-Firmen zwischen 60 000 und 150 000 Mark nur dafür aus, um über Anzeigen und Assessment Centers nach geeigneten Mitarbeitern suchen zu lassen. "Für das Geld können wir den Firmen die Leute maßschneidern", stellte Hans-Jürgen Ewers in Aussicht. Die TU will ihr neues Angebot vorerst mit einer Gruppe von 30 Firmen erproben.

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