Gesundheit : Tugenden eines Beamten

Manfred Erhardt, Berlins Ex-Wissenschaftssenator, geht in den Ruhestand

Hermann Rudolph

In Berlin löst die Nachricht von Manfred Erhardts Rückzug vom Amt des Generalsekretärs des Stifterverbands ein besonders heftiges Bedauern aus. Aber es bezieht sich weniger auf die Arbeit, die er an der Spitze dieses renommierten Verbandes geleistet hat, als auf die Erinnerung an eine fruchtbare, Grundlagen legende Periode der Wissenschaftspolitik.

Eberhard Diepgen machte den baden-württembergischen Ministerialdirektor 1991 zum Wissenschaftssenator – zu einem Zeitpunkt also, zu dem zwar der Vorhang über der Teilung zu, aber alle Fragen, die daraus folgten, offen waren. In nur einer Legislaturperiode legte Erhardt die Grund- und Ecksteine des Berliner Wissenschafts- und Hochschulwesens. Die Festlegung auf drei Universitäten, die Wiederbegründung der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften als Arbeitsakademie, auch die Errichtung des Wissenschafts- und Wirtschafts-Standorts Adlershof – das alles verbindet sich mit seiner Amtsführung.

Der Schwabe wurde in dieser Zeit zu einem der Politiker, der zwar die Speere auf sich zog, aber zugleich in der turbulenten Nachwende-Situation Berlins eine Größe verkörperte, auf die man bauen konnte. Denn natürlich musste er sich mit vielen anlegen, den Prozess der Abwicklung steuern und Studienplätze abbauen. Ziele mussten gesetzt, Interessen kanalisiert, aber auch Visionen auf den Boden des Möglichen zurückgeholt werden.

Der politische Seiteneinsteiger, der er in der Berliner Szene war, tat das alles eher leise, aber konsequent – ein Mann mit humanem Geist und schwäbisch-ironischem Witz. In seiner eigenen Partei, der CDU, hat er sich mit seiner Politik nicht nur Freunde gemacht. Aber sie verschaffte ihm Sympathie bei den gebildeten Beobachtern. Als er 1996 Generalsekretär des Stifterverbands wurde, merkten dann alle, was sie an ihm gehabt hatten.

Erhardt hat in den reichlich sieben Jahren an der Spitze des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft den Erfolg und das Renommee dieser elitären Institution beträchtlich vermehrt. Er hat sich dabei nicht zuletzt auch um die Entwicklung des Hochschulwesens verdient gemacht. Und ist damit seiner alten Liebe treu geblieben. Denn in der Hochschulverwaltung hat der Tübinger Jurist Anfang der siebziger Jahre begonnen. Er beendet seine Berufslaufbahn als das rare Beispiel eines Mannes, der die Tugenden eines Beamten gelebt – und zugleich bewiesen hat, dass sie der Humus für Offenheit, konstruktive Phantasie und nicht nachlassende Überzeugungskraft sein können.

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