Gesundheit : Tut Friedman richtig sprechen?

Von Tanke und Schalte: Das Deutsche an der Humboldt-Universität

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„Tun die Deutschen ihre Verantwortung ernst genug nehmen?“ Das hat Michel Friedman einmal im Fernsehen gefragt. Kann er etwa kein Deutsch? Falsch. Friedman ist einfach nur ein progressiver Sprecher der deutschen Sprache. Das konnte erfahren, wer sich in der HumboldtUniversität in die „erlebte Sprachgeschichte“ stürzte. Schon in den ersten Stunden der Nacht hatte sich herumgesprochen, dass der Vortrag von Karin Donhauser ein Muss ist. So drängelte sich im Flur ständig eine ungeduldige Menge.

Möglicherweise werden bald alle so sprechen wie Friedman. Denn die alten Präsens- und Präteritumformen sind dem Untergang geweiht. Warum? Sie sind synthetische Formen, bei denen die Kennzeichnung der Zeit direkt im Wort enthalten ist und nicht durch Hilfsverben ausgedrückt wird: etwa „sie gehen“ oder „sie gingen“. Trendig und sehr dominant sind aber die analytischen Formen: „sie werden gehen“ oder „sie waren gegangen“ – und neuerdings eben auch: „sie tun gehen“. Wenn Progressive ausdrücken wollen: „sie sang“, bedienen sie sich deshalb gerne des doppelten Plusquamperfekts: „Sie hat gesungen gehabt“– lasst Hilfsverben um mich sein!

Progressive gehen nicht etwa zur Tankstelle, sondern „zur Tanke“. Sie machen keine Schaltung nach Washington, sondern eine „Schalte“. Warum auch nicht? Schließlich begeben sich ja auch die Konservativen auf die „Suche“ (von „suchen“) und ruhen sich auf der „Liege“ aus (von „liegen“). Dieses Wortbildungsmuster übertragen die Progressiv-Kreativen einfach.

Hier tut die Schreibe erstmal enden. Mehr im nächsten Jahr, wenn die Sprache sich noch mehr gewandelt gehabt hat. akü

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