Gesundheit : Überflüssiges erwünscht

Wirtschaftssenator Wolf über Wirtschaft und Wissenschaft

Franziska Garbe

Ökumenischer Kirchentag, Champions- League-Finale, Biergartenwetter: Die Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung waren vielfältig am vergangenen Mittwochabend in Berlin. Dennoch konnte Christian Walther, Vorstandsmitglied im Verein der Freunde und Freundinnen des Otto-Suhr-Instituts („Osi-Club“), auch in der sterilen Atmosphäre eines FU-Seminarraums auf eine „ausgedehnte und angeregte Diskussion“ hoffen. Der Osi-Club hatte Wirtschaftssenator Harald Wolf an die FU eingeladen, um über das Verhältnis von Wissenschaft und Wirtschaft zu referieren.

Brisantes Thema – nachdem Finanzsenators Sarrazin gefordert hatte, die knappen finanziellen Mittel auf die für den Wirtschaftsstandort Berlin relevanten Fächer zu konzentrieren, so Wolf. Wo und in welcher Höhe aus seiner wirtschaftspolitischen Sicht an den Hochschulen konkret gespart werden könnte, wollte er sich nicht entlocken lassen. Wolf, selbst ein Absolvent des Otto- Suhr-Instituts, verwies auf den „politischen Abwägungsprozess“ im Senat. Die Behauptung, die Unis hätten „ihren Sparbeitrag bereits geleistet“, wie derzeit ein Flugblatt der TU verkündet, unterstützt der Wirtschaftssenator nicht . Doch im Gegensatz zu Sarrazin, ist er auch nicht der Meinung, dass die Hochschulen nur auf nahe liegende wirtschaftliche Bedürfnisse der Region ausgerichtet werden dürfen: „Standortrelevanz kann kein hinreichendes Kriterium für Hochschulpolitik und die Entwicklung der Hochschulen sein.“ Im Gegenteil: Aus wirtschaftspolitischer Sicht sei „Überflüssiges“ im Hochschulbereich sogar durchaus wünschenswert. Was betriebswirtschaftlich unnötig erscheint, wenn es nicht sofort produktiv verwendbar ist, kann aus volkswirtschaftlicher Perspektive eine Ressource darstellen, so Wolf.

Doch so wichtig das scheinbar Überflüssige an den Universitäten auch ist, haushaltspolitisch kann Berlin es sich nur sehr begrenzt leisten. Nach welchem objektiven Kriterium die Verteilung der knappen öffentlichen Mittel stattfinden soll, weiß auch der Senator für Wirtschaft nicht. Doch fordert er die Universitäten dazu auf, ihre Relevanz „in der politischen Öffentlichkeit zu begründen und gegenüber anderen Ansprüchen zu verteidigen“. Dazu müssten die Hochschulen jedoch ihre Verteidigungsstellung verlassen und der Politik eigene Konzepte anbieten. Die anwesenden Diskussionsteilnehmer hielten dem Senator entgegen, Gestaltungsvorschläge würde man zunächst von der Politik erwarten – Universitäten könnten ohne die Vorgabe bestimmter Rahmenbedingungen keine Entwürfe erarbeiten.

Noch waren die Vertreter der Universität nicht bereit, sich aus der Defensive locken zu lassen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar