Gesundheit : Überlebensstrategien: Wer kürzer lebt, sorgt sich um Nachwuchs

Vögel sind kühle Denker, wenn es ums Überleben geht. Bei einer lauernden Gefahr setzen sie je nach Lebenserwartung entweder das eigene oder das Leben der Nachkommenschaft aufs Spiel. Vögel im Norden legen bei einer meist kürzeren Lebenszeit mehr Eier und sind auch bereit, den Nachwuchs unter Einsatz des eigenen Lebens zu verteidigen.

Dagegen legen sich die Vogelarten im Süden für den Nachwuchs weniger ins Zeug. Mit ihrem Ausblick auf ein längeres Leben produzieren sie pro Saison weniger Eier und riskieren für ihre Jungen auch seltener den eigenen Hals - offenbar in der Voraussicht, dass das nächste Jahr und damit eine neue Chance für Nachkommenschaft kommt. Das berichten die amerikanischen Forscher Cameron Ghalambor von der Universität von Montana und Thomas Martin von der Universität von Kalifornien im Wissenschaftsmagazin "Science" (Bd. 292, S. 494).

Das Team machte Experimente mit zehn verschiedenen Vogelarten und analysierte zudem Daten von insgesamt 182 Arten in der nördlichen und südlichen Hemisphäre. Beispielhaft für ihre Beobachtungen ist etwa der Zaunkönig: Eine im nordamerikanischen Arizona beheimatete Art dieses kleinen Singvogels zieht im Schnitt 5,8 Junge pro Nest groß und versorgt diese ungeachtet drohender Gefahren. Dagegen bringt es sein im südamerikanischen Argentinien angesiedelter Verwandter nur auf 3,7 Junge pro Nest und lässt diese eher im Stich, wenn ihm selbst Gefahr ins Haus steht.

Bei ihren Beobachtungen griffen die Wissenschaftler zu einem Trick. Sie spielten Aufnahmen bestimmter Vogelstimmen in der Nähe der Nester ab, und zwar einmal die Stimme von Raubvögeln, die es auf erwachsene Opfer abgesehen haben, und zum anderen die Rufe von gefiederten Räubern mit Vorliebe für Eier oder gerade ausgebrütete Junge.

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