Gesundheit : Überzeugungstäter

Charme und Redekunst: Das Finale des Wettbewerbs „Jugend debattiert“

Dorothee Nolte

Dein erster Gedanke beim Betreten des Saals? „Ich hab mich gefragt, wo meine Plastiktüte ist“, antwortet Valentin auf die Frage des Moderators: „Mir war so schlecht.“ Kein Wunder: Wer als 14-jähriger Schüler den Großen Sendesaal des RBB betritt, wissend, dass er hier vor rund 500 Zuhörern und im Beisein des Bundespräsidenten debattieren soll, der hat das Recht aufgeregt zu sein. Doch der Tag, der mit Magenkrämpfen begann, sollte für den charmanten Gymnasiasten mit den kindlichen Gesichtszügen gut enden: Valentin Jeutner aus Hamburg wurde nach einer 24-minütigen Debatte über die Frage „Sollen die Maßnahmen gegen Schulschwänzer verschärft werden?“ Bundessieger in der Klassenstufe 8-10 des Wettbewerbs „Jugend debattiert“ und durfte neben Johannes Rau für die Fotografen posieren, bejubelt von 55 Landessiegern.

Vom Bundespräsidenten kam auch seinerzeit die Idee zu dem Rede-Wettbewerb, der zum zweiten Mal mit einem Bundesfinale in Berlin beschlossen wurde. Ziel ist es, eine Redekultur, wie es sie in angelsächsischen Ländern gibt, in Deutschland zu befördern – wo, wie Rau sagte, die für die Demokratie so wichtige Redekunst „immer eine Spezialdisziplin für Pfarrer, Anwälte und Gutachter“ gewesen sei. Die Gemeinnützige Hertie-Stiftung ist Trägerin dieses mit einem Etat von rund fünf Millionen Euro größten privat finanzierten Projekts zur politischen Bildung, unterstützt von der Stiftung Mercator, der Heinz Nixdorf- und Robert Bosch Stiftung sowie den Kultusministerien der Länder. Im Schuljahr 2003/2004 haben insgesamt 30000 Schüler an dem Wettbewerb teilgenommen, der über Klassen-, Schulverbunds- und Landesausscheide bis hin zum Bundesfinale führt und mit Trainings für Lehrer und Schüler verbunden ist – eine Erfolgsgeschichte, wenn man bedenkt, dass das Projekt erst vor drei Jahren und damals nur mit 370 Schülern begonnen hat.

Die Debatten zwischen vier Schülern werden nach klaren Regeln geführt, eine Jury vergibt Punkte für Sachkenntnis, Ausdrucksvermögen, Überzeugungskraft und Gesprächsfähigkeit. Mit all diesen Fähigkeiten brillierten die Teilnehmer der Klassenstufen 11-13 in einer hochkonzentrierten, argumentativ glasklaren Debatte über die Frage „Soll die Türkei in die EU aufgenommen werden?“ Hier den Sieger zu bestimmen, fiel der Jury – zu der unter anderem der Publizist Wolf Schneider, die Präsidentin der Kultusministerkonferenz Doris Ahnen und der Verleger Alexander Fest gehörten – nicht leicht. Die Wahl fiel schließlich auf den 18-jährigen Gymnasiasten Michael Seewald aus Saarbrücken. Genau wie seine sieben Mitstreiter erwartet ihn als Preis eine Akademiewoche, in der sie ihre rhetorischen Fähigkeiten weiter verbessern können.

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