Gesundheit : UKBF Wissenschaftswoche: Krebsimpfung und Gefäßstütze

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Neben den traditionellen Säulen der Krebstherapie (Chirurgie, Chemotherapie und Bestrahlung) hat in den vergangenen Jahren die biologische oder Immuntherapie Eingang in die klinische Medizin gefunden. Unter anderem wird der Patient dabei mit Stoffen geimpft, die zuvor der Oberschicht der Krebszellen entnommen werden. Diese Tumorvakzine würden, so der Leiter der Onkologie im Benjamin-Franklin-Universitätsklinikum (UKBF) Eckhardt Thiel, das "schlafende Immunsystem des Krebspatienten wild machen". Sie könnten den Körper dazu bewegen, den Tumor selbst zu vernichten.

Im Rahmen der "Wissenschaftswoche" am Fachbereich Humanmedizin der Freien Universität erläuterte Thiel die in seiner Abteilung gemachten Fortschritte auf dem Weg zu einer "Impfung gegen Krebs". Thiels Arbeitsgruppe gelang es, das Wiederauftreten von operativ entfernten Hautmelanomen zu verhindern und in Einzelfällen sogar fortgeschrittene Tumore zu einer Rückbildung zu bewegen. Derzeit behandle er auch schon Melanomerkrankungen des Auges sowie Lungenkrebs mit diesen Impfstoffen. Eine innovative Studie über Dickdarmkrebs sei in Vorbereitung.

Eine andere, weniger dramatisch verlaufende Krankheit, die aber viel mehr Opfer fordert, kann möglicherweise bald mit bedeutend wirksameren Medikamenten behandelt werden. Bislang bekomme nicht einmal ein Viertel aller Bluthochdruckkranken ein optimales Arzneimittel, so der neu ans Benjamin-Franklin-Klinikum berufene Endokrinologe Walter Zidek. Er versucht, mit Hilfe der Genomforschung die Defizite herkömmlicher Blutdruckmedikamente auszumachen und körpereigene Stoffe zu ermitteln, die als "Gegenspieler" zu blutdrucksteigernden Hormonen wirken können.

Die Wissenschaftswoche des UKBF findet seit 1990 einmal im Jahr statt. Ziel ist es, die wissenschaftlichen Aktivitäten des Fachbereichs Humanwissenschaften der FU einer breiteren Öffentlichkeit vorzustellen, forschungspolitische Fragen zu diskutieren und die hervorragendsten Arbeiten des laufenden Jahres auszuzeichnen. Den ersten Preis in der Kategorie "unmittelbar patientenbezogene Forschung" erhielt in diesem Jahr der leitende Oberarzt der UKBF-Kardiologie Peter Schwimmbeck für seine Fortschritte bei der Behandlung des akuten Herzinfarkts. Als effektivste Therapiemethode gilt heute die Öffnung der "verstopften" Herzkranzgefäße mit einem aufpumpbaren Ballon. Momentan erleidet ein Teil der Infarkt-Patienten aber bald nach der Akutbehandlung einen erneuten Gefäßverschluss. In einer Untersuchung an über 150 Patienten konnte die Gruppe um Schwimmbeck erstmalig zeigen, dass die Wahrscheinlichkeit eines zweiten Infarkts deutlich sinkt, wenn unter Ultraschallkontrolle eine Gefäßstütze, ein Stent, eingepflanzt wird.

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