Gesundheit : Umsteiger: Vom Abbrecher zum Filmassistenten - Firat Deniz vermisst die Uni nicht

Tanja Buntrock

Gibt es ein Leben nach dem Studium? In unserer Rubrik erzählen in loser Folge Absolventen und Abbrecher über ihre erste Zeit "draußen". Wenn Sie selbst noch nicht länger als drei Jahre von der Uni weg sind und an dieser Stelle über ihre Bemühungen berichten wollen, schicken Sie ein kurze Nachricht mit Ihrer Telefonnummer an die Campus-Redaktion des Tagesspiegels, 10876 Berlin, Stichwort "Umsteiger".

"Nach meinem Abitur war ich erstmal ziemlich planlos, was meine Zukunft anging. Da ich mich schon immer für Sprachen interessiert habe, schrieb ich mich gleich zum Wintersemester für Linguistik und Romanistik ein. Anfangs fand ich die Uni noch faszinierend. Aber ziemlich schnell haben mich die schulischen Strukturen abgeschreckt, besonders in Linguistik.

Super motiviert war ich auch für die Romanistik nicht. Nachdem ich in eine Wohngemeinschaft in die Bremer-Innenstadt gezogen bin und auch noch in einer Kneipe angefangen habe zu jobben, ist die Uni immer mehr in den Hintergrund gerückt. So kam es mir gerade recht, dass ich mich plötzlich um meinen Zivildienst kümmern musste. Da ich erst mit 16 Jahren den deutschen Pass erhalten habe, wurde ich ziemlich spät gemustert, und daher hat sich alles verzögert. Für mich war klar, dass ich nicht nur Essen ausfahren, sondern mich sozial engagieren wollte. Die Stelle in einer WG mit sechs geistig Behinderten wurde mir zugesichert.

Die 13 Monate Zivildienst in der Wohngemeinschaft waren total Klasse für mich, und ich wurde von den anderen als vollwertiger Kollege akzeptiert. So kam mir die Idee, mich für den Diplomstudiengang "Erziehungswissenschaften mit Schwerpunkt Behindertenpädagogik" einzuschreiben. Hier war ich nun sehr motiviert, relativ schnell hatte ich schon nach einem Jahr meine Scheine für das Vor-Diplom zusammen. Da ich aber immer schon gerne verreist bin, war ich nicht immer an der Uni.

Stress mit der Dozentin

Dies brachte mir ziemlichen Stress mit einer Dozentin ein. Auch die Kommilitonen haben es mir teilweise Übel genommen, dass ich - obwohl so wenig an der Uni - trotzdem meine Scheine erreicht habe. Das alles hat mich nachdenklich gemacht, und ich habe mir überlegt, dass diese ganzen Strukturen nicht das Wahre sind für mich. Da ich häufig privat in Berlin war, kannte ich die Stadt, und mir war klar: Wenn ein Neuanfang, dann in Berlin.

Innerhalb einer Woche habe ich mir eine Wohngemeinschaft und einen Praktikumsplatz bei einem Filmverleih gesucht. Ich habe mich immer schon für den Bereich Film interessiert, und das sechsmonatige Praktikum war ein guter Anfang. Ich habe plötzlich auch einen ziemlichen Ehrgeiz entwickelt, denn mit 20 Jahren nimmt es einem keiner Übel, planlos zu sein. Mittlerweile war ich aber 25 Jahre und wollte nun endlich etwas erreichen. Letzten Sommer habe ich dann einen Fahrer-Job bei einer Film-Produktionsfirma erhalten. Daraufhin folgte ein Praktikum in der Produktion, aber das hat sich ziemlich schnell auf andere, verantwortungsvolle Tätigkeiten ausgeweitet.

Jetzt habe ich dank der Inititative meines Chefs einen festen Job als Filmproduktionsassistent in seiner Firma. Ich betreue unsere Filme auf Festivals, wie die Berlinale, organisiere größtenteils alles, was anfällt, und halte den Kontakt zu Agenturen. Der Job ist ziemlich zeitaufwendig und stressig, aber mir geht es total gut dabei. Sorge macht mir natürlich, dass ich keine abgeschlossene Ausbildung habe, aber ein Diplom in Behindertenpädagogik würde mir für meinen jetzigen Job auch nichts bringen.

Trotzdem möchte ich für die Zukunft noch etwas Handfestes haben. Ich könnte mir eine Ausbildung in einem der zahlreichen, neuen Medienberufen, wie zum Beispiel Mediengestalter, vorstellen. Der Neuanfang in Berlin hat sich jedenfalls gelohnt. Ich weiß jetzt, was mein Bereich ist, und habe seitdem meine Qualifikation recht gut ausbauen können." Protokoll

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