Gesundheit : Umwelt und Energie: Wind ist Strom ist Trinkwasser ist Leben

Gideon Heimann

Kann man heute noch etwas Neues erfinden? Nun, man kann zumindest vorhandene Komponenten zusammenstellen und das Ensemble weiter entwickeln. Die Ingenieure Jens Peters und Wolfgang Trüschel zum Beispiel erfanden ein System, mit dessen Hilfe allein durch Windkraft verschmutztes oder salzhaltiges Wasser zu Trinkwasser oder gar zum Energieträger Wasserstoff aufbereitet werden kann. Mitgewirkt haben Wissenschaftler des Forschungs- und Technologiezentrums Westküste der Christian-Albrecht-Universität Kiel. Die erste dieser Anlagen wurde daher auch am Standort der Forscher, auf Büsum, aufgestellt.

Nun ist das Thema Trinkwasser in unseren Breiten zum Glück kein großes Problem, das Dargebot ist reichlich - angesichts mancher Herbst- und Frühjahrsfluten kann man es bisweilen schon als "zu viel" betrachten. Doch wer sich schon einmal in anderen Gebieten der Erde aufgehalten hat, stellt schnell fest, dass unser Überangebot mit Trockenheit andernorts dahergeht. Und wenn es dort Wasser gibt, ist es bis zur Ungenießbarkeit verunreinigt.

Hier setzten Peters und Trüschel mit ihrem P & T-System an. Beide hatten schon seit 1985 Erfahrungen mit Fotovoltaik, Solarthermie und Windkraftanlagen gesammelt, bevor sie sich an das neue Geschäftsfeld wagten. Und die Windkraft ist denn auch die erste der drei Komponenten. Sie kann elektrischen Strom an Orten gewinnen, wo schon aus Kostengründen wohl nie eine Hochspannungs-Anschlussleitung ankommen wird.

Die zweite Komponente besteht im Kern aus einer Membranfiltration ("Umkehrosmose"). Sie besteht aus aufeinander gelegten Platten - das sieht aus wie ein CD-Stapel, der in einer Trommel steckt. Außen wird das in Sand- und Feinfilter vorgereinigte Wasser unter 65 Bar hohem Druck zugeführt. Die winzigen Öffnungen einer Membrane im Kern lassen nur sauberes Wasser hindurch. Alle störenden Stoffe, die es transportiert, werden konzentriert durch einen "Abwasserkanal" ausgeschieden.

Der von P & T angegebenen Energieverbrauch dieser Technik ist vergleichsweise gering: Wird Seewasser aufbereitet (wobei 30 Prozent des Durchfluss-Wassers gereinigt gewonnen werden), braucht sie pro Kubikmeter Trinkwasser zehn Kilowattstunden Strom. Bei Brackwasser sind es sogar nur vier Kilowattstunden.

Nun werden Windkraftanlagen immer leistungsfähiger - die 600 Kilowatt der Beispielrechnung bezeichnen heute schon ein eher mittleres bis kleines "Windrad". Dennoch können damit jährlich bis zu 165 000 Kubikmeter Trinkwasser und 1,2 Millionen Kilowattstunden Strom produziert werden. Wir rechnen kurz: 165 000 Kubikmeter pro Jahr sind 452 Kubikmeter täglich. Wer bei uns einigermaßen sparsam mit Wasser umgeht, braucht am Tag vielleicht 100 Liter, mit einer solchen Anlage werden also mindestens 4520 Menschen versorgt. Und da in trockenen Gebieten Wasser wertvoll ist, kann man die Zahl getrost verdoppeln. Die Wasseraufbereitungsgeräte gibt es in unterschiedlichen Größen, die Leistung reicht von vier bis 500 Kubikmeter (Seewasser zu Trinkwasser) täglich. Der Verbrauch der Aufbereiter (angegeben als Anschlussleistung) reicht dadurch von 1,8 bis 200 Kilowatt. Die Demonstrationsanlage in Büsum produziert 100 Kubikmeter Trinkwasser täglich. Da das Windrad noch einen Überschuss erarbeitet, fließen 47 450 Kilowattstunden Strom pro Jahr ins Netz. An Orten jedoch, wo die Naturkraft mangels Abnehmer nicht ständig genutzt wird, produziert ein Elektrolysegerät schnell Wasserstoff daraus: Energie auf Vorrat.

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