Gesundheit : Umweltarchiv über Jahrtausende hinweg

HS

Kieselalgen reagieren auf veränderte Umweltbedingungen sehr sensibel. Die Schalen der Algen bleiben nach deren Absterben als mikroskopische Fossilien erhalten. Sie bilden so ein einzigartiges Umweltarchiv über die letzten Jahrtausende. Damit wollen die Wissenschaftler vom Institut für Gewässerforschung in Friedrichshagen nun erkunden, wie sich die menschliche Besiedlung auf die Flüsse und Seen in Brandenburg auswirkte. Insbesondere geht es darum, die ürsprüngliche Gestalt der Auen von Havel und Spree unmittelbar nach der letzten Eiszeit vor 12 000 Jahren zu rekonstruieren.

Schon vor der Besiedlung vor rund 4000 Jahren war die Havel ein stark mit Phosphor belasteter Fluss. Grund dafür ist der phosphorreiche Geschiebemergel, in den der Fluss eingebettet ist. Einen ersten Phosphoranstieg durch menschliche Einflüsse gab es zwischen 950 und 1400 nach Christus, ausgelöst durch die großen Waldrodungen der mittelalterlichen Siedler. Der Regen wusch die Phosphate aus den entwaldeten Böden in die Seen.

1718 begann Friedrich Wilhelm I, das Havelländische Luch trocken zu legen. Bis dahin hatten die ausgedehnten Torfmoore im Einzugsgebiet der unteren Havel als Rückhaltebecken für Nährstoffe gewirkt. Auch diese mineralischen Frachten flossen nunmehr direkt in den Fluss ab. Zum Ende des 18. Jahrhunderts war die Havel bereits völlig überfrachtet, ihr Ökosystem brach zusammen. Nach 1900 setzten die brandenburgischen Bauern verstärkt Mineraldünger ein, wieder zu Lasten des Gewässers. Ab 1960 intensivierten die ostdeutschen Kolchosen den Ackerbau, der Phosphoranteil im Gewässer erreichte historische Spitzenwerte. Damit verbunden waren dramtische Wechsel in Fauna und Flora.

Ziel des nun von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Vorhabens ist es, ökologische Leitbilder zu formulieren und realistische Sanierungsziele für die Gewässer aufzustellen.

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