Gesundheit : Unheilbares Unikum Charité

Von George Turner, Wissenschaftssenator a.D.

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Der vom Senat beschlossene Entwurf eines Universitätsmedizingesetzes sieht vor, dass die Präsidenten der FU und HU nicht mehr dem Aufsichtsrat angehören. Wenn das der erste Schritt in Richtung einer eigenständigen Medizinhochschule ist, sollte man das sagen. Besser noch wäre, ein so widersprüchliches und verkorkstes Gesetz, wie es jetzt im Verfahren ist, zurückzuziehen. Darum aber scheint es gar nicht zu gehen.

Die Charité soll offenbar in der Zwitterstellung als Gliedkörperschaft von zwei Universitäten verbleiben. Also muss es andere Gründe geben, deren Repräsentanten aus dem Aufsichtsgremium zu werfen. Die Motive liegen auf der Hand: Die Präsidenten sind nicht nur der Medizin, sondern den von ihnen vertretenen Einrichtungen verpflichtet. Dabei kann es vorkommen, dass ein Präsident immer noch glaubt, es handle sich um „seine“ Medizin, wenn es um einen der Standorte der Charité geht. Das mag lästig sein und die anderen nerven. Dann bietet eine „präsidentenfreie“ Zone den bequemeren Weg.

Es zeigt sich erneut, wie wenig tragfähig die Konstruktion mit der Gliedkörperschaft ist. Zu verdanken hat Berlin dies einer Expertenkommission. Doch diese Gruppe zeigte, dass sie sachfremd dachte, als sie vorschlug, ausgerechnet den modernsten Standort, nämlich das Klinikum Virchow, zurückzustufen. Bedauerlich ist, dass die Politik jenen Ratgebern auf den Leim gegangen ist. Dabei ist es doch eigentlich ganz einfach: Entweder hat jede Universität eine eigene Medizinische Fakultät – was der Normalfall wäre. In Berlin dürfte dieser Zug allerdings abgefahren sein. Oder die gesamte Medizin wird nur einer Universität zugeordnet, was wegen der Größenordnung nicht empfohlen werden kann. Oder sie wird verselbstständigt, was angesichts der verfahrenen Situation die richtige Lösung wäre.Die Mixtur in Berlin ist ein Unikum, entstanden auf Grund eines nicht überzeugenden Gutachtens, gepaart mit Bedenken der politischen Akteure, einen wirklich mutigen Schritt zu tun. Jetzt hat man den Salat. Wann begreifen die Politiker endlich, dass sie mit halbherzigen Schritten der Medizin dauerhaften Schaden zufügen?

Wer mit dem Autor diskutieren möchte, kann ihm eine E-Mail schicken: g.turner@tagesspiegel.de

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