Gesundheit : Uni Bielefeld und die Brandstifter

Steckten Gebührengegner das Auto des Rektors an?

Conrad Schormann

Eine Woche ohne Brandanschlag war an der Bielefelder Universität vergangen. Rektor Dieter Timmermann hatte gehofft, der Spuk, der am 12. Juli begann, sei endlich vorbei. Als Timmermann Donnerstagnacht aus dem Schlafzimmerfenster schaute, war die Hoffnung verflogen. Sein vor dem Haus geparkter BMW stand in Flammen. Hinter der seit Wochen nicht abreißenden Serie von Brandanschlägen auf die Bielefelder Uni stecken möglicherweise radikale Studiengebührengegner.

Am 12. Juli hatte der Senat der Hochschule beschlossen, Studiengebühren einzuführen. Die Landesregierung stellt es ihren Hochschulen frei, ob sie künftig Studiengebühren verlangen oder nicht. Nach einer turbulenten Senatssitzung, begleitet von lautstarken Protesten einer Gruppe von Gebührengegnern, entschieden die Bielefelder wie die meisten Hochschulen in Nordrhein-Westfalen: Erstsemester müssen ab dem kommenden Wintersemester 500 Euro Gebühren zahlen.

Am Rande der Sitzung sollen Gebührengegner den Generalschlüssel der Uni entwendet haben. Im Tumult vor dem Sitzungssaal hatte ein Wachmann versucht, die Tür abzuschließen. Als Studenten sie aufrissen, löste sich die Kette mit dem Generalschlüssel vom Hosenbund des Wachmanns. Einer der Studierenden habe den Schlüssel aufgeklaubt, sagt ein Mitarbeiter des Sicherheitsdiensts.

Seitdem gehen in der Bielefelder Universität nachts die Brandstifter um. Mal brennt eine Toilette, mal ein Papierkorb, mal schieben Unbekannte ein brennendes Stück Papier unter der Tür der Bibliothek hindurch. Bislang war die Feuerwehr stets rechtzeitig zur Stelle, um größere Schäden zu verhindern. Nicht nur in Bielefeld ist die Feuerwehr im Uni-Dauereinsatz, auch in Münster, wo die Brandstifter Nachahmer gefunden haben.

Bei mindestens zwei der Attacken sei der Generalschlüssel nachweislich eingesetzt worden, heißt es an der Uni. Die Täter hätten ihn benutzt, um in den Chemietrakt und in das Büro eines Professors und Senatsmitglieds einzudringen. Dort verteilten sie Kuhfladen auf Wänden, Papieren und Möbeln. 500 „sicherheitsrelevante“ Schlösser hat die Uni nach dem Kuhfladen-Anschlag auswechseln lassen. Trotzdem gab es weitere Anschläge.

Die Serie gipfelte Donnerstagnacht in dem Brandanschlag auf Timmermanns schwarzen 5er-BMW. „Ich gehe gelassen damit um, was soll ich sonst machen“, sagt der Uni-Rektor. Weniger gelassen sind Polizei und Feuerwehr. Mittlerweile sind 6000 Euro Belohnung ausgesetzt – bislang ohne Erfolg. Die Ermittlungen hat jetzt eine Sonderkommission des Staatsschutzes übernommen, die Polizei-Abteilung für politische Straftaten. Die Ermittler arbeiten mit dünnen Erkenntnissen. Sicher sind sie sich allerdings, dass die Anschläge und der Protest gegen Studiengebühren zusammenhängen.

Diesen Zusammenhang sieht auch Dieter Timmermann. Er wolle seine 15 000 Studenten aber nicht unter Generalverdacht stellen, sagt der Rektor. Zuletzt hatte Timmermann zu einer gemeinsamen Resolution von Professoren und Studenten gegen Gewalt aufgerufen. Drei Tage später brannte sein Auto.

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