Gesundheit : Uni Hamburg: Kahlschlag nicht gewollt Neue Chance für die

Geisteswissenschaften

Amory Burchard

Hamburg kann aufatmen. Nachdem der Hochschulrat am Sonntag getagt hat, ist der Präsident der Universität Hamburg, Jürgen Lüthje, zuversichtlich: „Ein Kahlschlag in den Geistes- und Kulturwissenschaften ist nicht gewollt.“ Der Hochschulrat sehe die Vorgaben des Wissenschaftssenators nicht als verbindliche Grundlage des neuen Struktur- und Entwicklungsplans an. Einen Entwurf des Präsidiums der Universität zur Hochschulentwicklung dagegen wolle der Hochschulrat „noch einmal sorgfältig prüfen“, sagte Lüthje gestern dem Tagesspiegel. Damit scheint die befürchtete „Halbierung des Hamburger Geistes“ zunächst vom Tisch zu sein.

Wissenschaftssenator Jörg Dräger (parteilos) wollte erreichen, dass in den Geistes- und Kulturwissenschaften, wie berichtet, die Zahl der Professuren von jetzt 155 auf 77,5 im Jahr 2012 gekürzt wird. Die Studienplätze sollen von 1800 auf 760 reduziert werden – also um 58 Prozent. Schon die Empfehlungen einer Expertenkommission und daraus entwickelte „Leitlinien“ für die Hochschulentwicklung hatten „eine Senkung der Absolventen- und Studienanfängerzahlen“ unter anderem für die Geistes- und Sozialwissenschaften und für Jura empfohlen. Grundlage war der „Bedarf des Arbeitsmarktes“ an Absolventen der einzelnen Fachbereiche. Die vom Senat der Stadt Hamburg beschlossenen Leitlinien akzeptiere die Unileitung. Notwendig sei aber, dass „Gestaltungsspielräume“ für die Strukturreform der Hochschule erhalten blieben, sagt Lüthje.

Diese Spielräume wollte Wissenschaftssenator Dräger einengen. Er beauftragte das Hochschulinformationssystem (HIS) mit einem Gutachten zum Flächenbedarf der Uni Hamburg bis 2012 und machte dafür auch restriktive Vorgaben zum Personalbedarf. Das in Hannover ansässige Institut lieferte Dräger dann das radikale Kürzungsszenario.

Das HIS-Gutachten stelle eine „Präzisierung“ der Vorgaben aus den für die Hochschule verbindlichen Leitlinien dar, betont Drägers Sprecherin, Sabine Neumann. Deshalb sei von der Hochschule zu erwarten, dass sie die vorgesehenen Kürzungen auch umsetze. Dem widersprach gestern noch einmal Präsident Lüthje: HIS sei ausschließlich mit einer Berechnung des Flächenbedarfs der Uni beauftragt worden. Die Zahlen zum Personalbedarf sieht er als „reine Hilfsrechnung“. Es gäbe „keinerlei sachliche Begründung“ dafür, diese Zahlen zu verbindlichen Vorgaben zu machen, wie Dräger es getan habe.

Tatsächlich hat der Senator den von HIS errechneten Personalbedarf aber in die „Ziel- und Leistungsvereinbarungen“ zwischen Senat und Universität aufgenommen. Lüthje weigert sich, die Vereinbarungen zu unterschreiben.

Der Hochschulrat, dem vier von der Wissenschaftsbehörde und vier von der Hochschule benannte Vertreter angehören, ist seit Anfang des Jahres für die „strategische Steuerung“ der Uni zuständig. Das Gremium hat die Hochschulleitung jetzt beauftragt, ihren eigenen Entwurf für die Struktur- und Entwicklungsplanung zu überarbeiten. Unter anderem sollten die Professuren besser ausgestattet werden. Das könnte bedeuten, gibt Lüthje zu, dass mehr Professuren als von der Uni geplant gestrichen werden müssten – zugunsten von Mitarbeiterstellen. „Aber auf keinen Fall einseitig zu Lasten der Geisteswissenschaften.“

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