Gesundheit : „Uni-Medizin nicht privatisieren“

U.S.

Wissenschaftssenator Thomas Flierl (PDS) will noch vor der Sommerpause einen Entwurf für ein Hochschulmedizingesetz vorlegen. Das kündigte er gestern bei einer Expertenanhörung im Wissenschaftsausschuss des Abgeordnetenhauses an. Gleichzeitig gaben Flierl und der SPD-Hochschulexperte Bert Flemming bekannt, dass die rot-rote Koalition keine Privatisierung der Charité wünsche. Damit bezieht die rot-rote Koalition eine Gegenposition zu dem Gutachten des Unternehmensberaters Roland Berger, der die Privatisierung empfohlen hatte.

Seit den betriebswirtschaftlichen Berechnungen von Roland Berger ist allen Kennern klar: Die 98 Millionen Euro an Einsparungen beim Zuschuss für Forschung und Lehre können nach den Vorschlägen der Expertenkommission aus dem Jahr 2002 nicht erbracht werden. Es fehlen 14 Millionen Euro. Das größte Problem jedoch sind die geschätzten Baukosten in Höhe von 438 Millionen Euro. Vor dem Wissenschaftsausschuss sagte der Medizinexperte Joachim Karrte, der für Roland Berger das Charité-Gutachten erstellt hat, dass dieser Betrag nicht ausreichen werde, um die Universitätskliniken für die neuen Betriebsabläufe nach den Fallpauschalen umzubauen. Die Frage, ob die Charité ihre vier Standorte halten könne, werde von der Entwicklung der Fallpauschalen abhängen und von einer abgestimmten Krankenhausplanung zwischen den Vivantes-Kliniken und der Charité.

Der Vorstandsvorsitzende der neuen Charité, Detlev Ganten, warnte vor einer Privatisierung, weil diese zu einer außerordentlichen Verunsicherung unter den Beschäftigten führen werde. Die Fusion der Charité könne jedoch nur gelingen, wenn die Mitarbeiter dafür motiviert seien. Ganten betonte, dass die Charité mit 15 000 Beschäftigten und einem Milliardenumsatz ein wichtiges Unternehmen für Berlin sei. Die starke Position der Biotechnologie mit zahlreichen Unternehmensgründungen in Berlin sei ohne die Charité undenkbar. Auch die herausragende Rolle Berlins in der Medizintechnik und der Optik könne nur durch die Leistungen der Charité gehalten werden. In dem bevorstehenden Wettbewerb um Eliteuniversitäten und exzellente Forschung habe die Charité hervorragende Chancen.

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