Gesundheit : Unikate: Christliche Gemeinschaft

Sybille Salewski

Er war Handballtrainer und Autoschlosser, arbeitete als Hausmeister und malte Straßenmarkierungen - nicht gerade ein typischer Lebensweg für einen Theologen, der heute Generalsekretär der Evangelischen StudentInnengemeinde (ESG) ist. Ulrich Falkenhagens bunte Biografie hat früh begonnen: Als er sich 1973 - damals war er 14 Jahre alt - weigerte, an der Jugendweihe teilzunehmen. "Entweder Konfirmation oder Jugendweihe - beides ging für mich nicht zusammen", sagt er. Ohne das Bekenntnis zum DDR-Staat aber durfte er die Hochschulreife nicht erwerben. So hat er nach der Schule eben Autoelektriker gelernt.

Dabei waren Sozialismus und Kirche für ihn kein Widerspruch: "Kirche im Sozialismus - diese Formel fand ich gut", erzählt er. Unterschiedliche Wege, gewiss, aber teilweise gleiche Ziele - soziale Gerechtigkeit etwa. Also war er in der FDJ, sogar einer ihrer Sekretäre auf der Berufsschule. Bis Wolf Biermann ausgebürgert wurde. Dann war für ihn, wie für viele andere, der gemeinsame Weg von Sozialismus und Kirche vorbei.

Er bekam die Macht des Staats zu spüren: Statt zur Armee zu gehen, wollte er Bausoldat werden. Man drohte ihm aber anderthalb Jahre Gefängnis an und versprach, ihn danach erneut einzuberufen - oder wieder ins Gefängnis zu stecken. "Da bin ich umgefallen", sagt er. Danach versuchte er nicht mehr, innerhalb des Staats Karriere zu machen, sondern konzentrierte sich auf die Gemeinde, arbeitete in Friedensgruppen und der Umweltbewegung. Erst 1988, mit 29 Jahren, fing er an, Theologie zu studieren - am Berliner Paulinum ging das auch ohne Abitur.

Seit vergangener Woche nun ist Ulrich Falkenhagen Generalsekretär der ESG. Innerhalb der Hochschulen sind christliche Studenten eine Minderheit. Doch das stört Falkenhagen nicht: "Ich bin in der DDR in einer Kirche groß geworden, in der nur zehn Prozent der Bevölkerung waren. Ich habe kein Problem damit, in einer Minderheit zu leben."

Er möchte vor allem zu Diskussionen und zum Handeln anregen, über Themen reden, die innerhalb der einzelnen Fächer zu wenig beachtet werden: Bioethik, Umweltschutz, die Situation ausländischer Studierender. "Es gibt unter den Studierenden ein großes Bedürfnis nach Orientierung", sagt Falkenhagen. "Viele suchen nicht nur Anschluss, sondern auch Sinn in ihrem Leben." Die Studierendengemeinden der Hochschulen sollen für Studenten eine christliche Gemeinschaft sein, in der sie Halt finden können.

Sie sollen aber auch ein Forum sein für politische Aktivitäten: "Mir gefallen die basisdemokratischen Strukturen der Studierendengemeinden", sagt Falkenhagen. "Sie sind innerhalb der Kirche eigentlich die besseren Gemeinden, denn sie haben weniger Hierarchien."

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