Gesundheit : Unikate: Manuela Geisler will ihre Diplomarbeit in die Tat umsetzen

Tom Heithoff

Wo spielt die Musik? Meistens im Orchestergraben. Die Musiker in der Oper oder im Ballett sollen möglichst unsichtbar bleiben und werden nur in den seltensten Fällen in die Inszenierung eingebunden. Wenn Manuela Geisler (Jahrgang 1969) ihr Konzept eines "Lebendigen Sinfoniekonzerts" einmal auf die Bühne bringen kann, ja dann wird vielleicht ein neues Genre geboren werden. Doch noch ist die von ihr entworfene "theatralische Livemusikinstallation" nur zwischen die Cover ihrer im letzten Jahr an der Kunsthochschule Berlin Weißensee (KHB) eingereichten Diplomarbeit gepresst. Das soll sich bald ändern, die Bühnenbildnerin hat sich vorgenommen, das aufwendige Gesamtkunstwerk in die Tat umzusetzen.

"Der Zauberladen" - so heißt das Ballett von Ottorino Respighi / Rossini, das sie inszenieren möchte. Zwei Puppen, die nachts lebendig werden, haben sich ineinander verliebt. Als sie verkauft werden sollen, droht ihre Liebe zu zerbrechen. "Mich reizt es, Musik und Bild zusammenzubringen", sagt sie. Und deswegen sitzen die Musiker auf einer Bühne, die wie ihre Kleidung in Schwarz und Weiß gehalten ist. Aus diesem "Klangkörper" wachsen bewegliche farbige Flächen, die "die Musik räumlich erfahrbar machen". Hinter diesen schwebenden Klangwolken, sollen abstrakte Bildprojektionen "Interpretationen und Assoziationen freilegen". Mal wird da die Struktur eines Straßenpflasters sichtbar, mal stürzt feuerrotes Wasser herab oder ein Bündel grüner Schnüre. Geisler ahnt bereits, dass eine solche Aufführung bestimmt provozieren wird. Es gebe ja genug Leute, die Bilder grundsätzlich als Störung der Musik betrachten. Sie sieht das natürlich anders. "Bilder sind zwar per se stärker als Musik, bei mir sollen sie aber die Musik erhöhen."

Chaotischer Film

Manuela Geislers Weg zum Bühnenbild war nicht sehr verschlungen. Schon bei ihrer ersten Hospitanz in Feuchtwangen 1991 hat sie an der Bühnenbildkonzeption mitgearbeitet. Ein Jahr später begann sie an der Karlsruher Hochschule für Gestaltung das Studium der Szenographie und wechselte dann an die KHB an das Fachgebiet Bühnenbild. Einige Assistenzen folgten; dreimal am Württembergischen Staatstheater Stuttgart. Zwischendurch gab es mal kleinere Ausflüge zum Film; 1998 war sie Produktionsassistentin beim Dreh eines Videoclips von "Fettes Brot". Auch ein Trash-Video ("Automatic murder") findet sich auf ihrer Projektliste. Aber Film erscheint ihr "noch viel chaotischer als Theater". Außerdem fehlt ihr da der Reiz des Unmittelbaren, der Live-Charakter. Nein, Musiktheater ist genau das Richtige, davon ist sie inzwischen überzeugt. "Der Bühnenbildner hat hier mehr Freiheiten als beim Schauspiel." Dramen würden dem Bühnenbildner in der Regel sehr viel vorgeben, während die Anweisungen im Musiktheater "mehr offen lassen".

"Ich will aus Musikeindrücken Raum gestalten", sagt sie, "und dabei sind für mich Musik und Bühnenbild immer gleichwertig." Sie sieht ihre Aufgabe als Bühnenbildnerin nicht darin, visuelle Zugaben zu liefern oder die Musik zu illustrieren. Eher darin, die zwei Künste auf der Bühne eine Beziehung eingehen zu lassen. Jetzt also der "Zauberladen". Erste Versuche, ihr Konzept mit einem Kammerorchester umzusetzen, verliefen zufriedenstellend. Die beabsichtigte Wirkung lässt sich jedoch erst mit einem großen Sinfonieorchester erzielen. Das bedeutet nicht nur viel Arbeit, sondern auch Überredungskunst gegenüber Theaterleitern - damit die schwebenden Flächen bespielt werden können, schließlich sind die Personen ungesichert. Auch könne es durchaus passieren, dass sich die Musiker-Gewerkschaft querstellt, weil die Instrumentalisten, die aufgrund der Projektionen natürlich auf relativ dunkler Bühne sitzen müssen, weniger Licht als vorgeschrieben auf ihre Notenpulte bekommen. An die ganzen Schwierigkeiten jedoch will sie jetzt noch gar nicht denken. Sie braucht vor allem erst einmal einen Orchesterleiter, der sich auf ein solches "spielerisch-experimentelles Projekt" einlassen will, der zur Auseinandersetzung mit der Bildenden Kunst bereit ist und Lust hat, über einen längeren Zeitraum am "Zauberladen" zu arbeiten. Wer Interesse hat, wende sich telefonisch an Manuela Geisler (0173-2335415), doch er vergesse nicht ihre Warnung: "Es wird ganz bestimmt kein Vier-Wochen-Projekt".ems

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