Gesundheit : Unimedizin als Stiftung?

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In die Diskussion um die von Sparzwängen bedrohte Berliner Hochschulmedizin hat sich nun auch Martin Paul eingeschaltet, Dekan des Klinikums Benjamin Franklin der Freien Universität. "Wenn Berlin unsere Finanzierung nicht gewährleisten kann, sollte die Stadt das Klinikum in die Unabhängigkeit entlassen, statt es zu schließen", sagte Paul aus Anlass der Wissenschaftswoche des Klinikums. Die Privatisierung sei dabei nur eine Möglichkeit, denkbar sei auch die Einrichtung einer Stiftung.

Für die Entwicklung des Klinikums seien größere Unabhängigkeit und Planungssicherheit wünschenswert, um zum Beispiel Biotechnik-Firmen auf eigenem Grund und Boden anzusiedeln. "Die Hochschulmedizin ist ein Standortfaktor, mit jeder Mark eingeworbener Fördermittel fließen 3 Mark 80 zusätzlich nach Berlin. Ich habe aber den Eindruck, dass auch die PDS die große Bedeutung der Wissenschaft für die Stadt erkannt hat." Die Trennung in Ost und West sei "eine überholte Diskussion".

Paul wies darauf hin, dass im Jahr 2000 vom Franklin-Klinikum 48 Millionen Mark an Fördermitteln ("Drittmittel") eingeworben wurden, 13 Prozent mehr als im Vorjahr. Auch in diesem Jahr sei ein Zuwachs auf mehr als 50 Millionen Mark zu verzeichnen. Ebenfalls gestiegen sei der "Impact-Faktor". Mit diesem Faktor wird die Qualität der Veröffentlichungen und damit der wissenschaftlichen Arbeit ermittelt. Er stieg (Gesamtsumme) von 1714 (1995) auf 2581 (1999). Der durchschnittliche Impact-Faktor pro Publikation erhöhte sich von 1,83 (1996) auf 3,3 (1999).

Besonders stolz ist man am Franklin-Klinikum auf zwei neu eingerichtete Forschergruppen, die für sechs Jahre von der Deutschen Forschungsgemeinschaft mit jährlich je einer Million Mark gefördert werden. Die Gruppe von Christoph Stein erforscht die Schmerzstillung bei Entzündungen. Gedacht wird auch an die Entwicklung neuer Medikamente, die den Schmerz direkt am Ort des Geschehens und nicht im Gehirn dämpfen.

Mit den Wechselwirkungen zwischen Keimen und Körperabwehr im Darm beschäftigt sich die Gruppe von Martin Zeitz. "Der Darm besitzt ein hoch entwickeltes Immunsystem, damit der Körper vor Fremdstoffen in der Nahrung und Darmbakterien geschützt wird", sagte Zeitz. "Wir wollen untersuchen, was passiert, wenn diese Barriere von Krankheitserregern niedergerissen wird." Gedacht sei auch an einen Impfstoff gegen das Bakterium Helicobacter pylori, den Auslöser des Magengeschwürs.

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