Gesundheit : Unirektoren wollen Länder kontrollieren

Studienplätze und Kleine Fächer: HRK misstrauisch

Amory Burchard

Die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) will kontrollieren, ob die Länder im Hochschulpakt wirklich neue Studienplätze schaffen. „Wir haben den Eindruck, dass die Länder den Pakt nicht vernünftig mitfinanzieren wollen“, sagte HRK-Präsidentin Margret Wintermantel gestern in Berlin. Im Hochschulpakt wurde vereinbart, dass der Bund 565 Millionen Euro für neue Studienplätze gibt; die Länder haben sich verpflichtet, den gleichen Betrag aufzubringen. Statt „frisches Geld“ in die Hand zu nehmen, wollten etliche Länder ihren Beitrag aber mit Effizienzreserven gegenrechnen. Durch ein „systematisches Monitoring“ werde die HRK die Länder nun in die Pflicht nehmen.

Bei einer Übersicht über die bedrohten Kleinen Fächer an den deutschen Hochschulen werde das Bundesforschungsministerium die HRK finanziell unterstützen, sagte eine Sprecherin dem Tagesspiegel. Nachdem die HRK 2006 damit gescheitert war, eine solche „Rote Liste“ zu erstellen, wolle die Ministerin nun „bis Herbst Ergebnisse haben, denn das Thema Kleine Fächer verträgt keinen Aufschub“. Die Rektoren wollen wie berichtet (Tagesspiegel vom 12. Februar) eine Servicestelle einrichten, die von Schließung bedrohte Fächer wie Albanologie oder Indogermanistik kartiert und ihre Fortführung koordiniert. Dazu müsse die HRK zwei bis drei Mitarbeiter einstellen und eine spezielle Software anschaffen, sagte HRK-Generalsekretärin Christiane Gaehtgens.

Gegen die Kartierung gebe es indes Bedenken bei Vertretern Kleiner Fächer, sagte Wintermantel. Wenn sie ihre personellen Ressourcen offenlegen, könnten sie erst recht Gegenstand von Kürzungen auf Druck der Landesregierungen werden. „Deshalb sollte die Clearingstelle bei der HRK sein, denn wir sind ja daran interessiert, dass sie erhalten bleiben.“ Außerdem solle es eine Förderinitiative für die Kleinen Fächer geben, in dem sie sich um die Finanzierung internationaler Kooperationen, Auslandsaufenthalte und „Zeit für die Forschung“ bewerben können.

Bei ihrer Senatsversammlung Anfang der Woche beschloss die HRK auch, besonders qualifizierten Fachhochschulabsolventen die Promotion zu erleichtern. Die Akkreditierung von Bachelor- und Masterstudiengängen soll effizienter werden: Statt einzelne Studiengänge zuzulassen, könnte man künftig die Entwicklung und Durchführung von Studiengängen an einer Hochschule zertifizieren. Ein entsprechender Modellversuch zur „Prozessakkreditierung“ soll jetzt ausgeweitet werden.

Informationen im Internet:

www.hrk.de

www.Tagesspiegel.de/geisteswissenschaften

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