Gesundheit : Unis ohne Coca-Cola

Berliner Studierende rufen zum Boykott auf

Matthias Jekosch

Die Universität der Künste ist derzeit von einem Baugerüst umgeben. Darauf wirbt ein riesiges rotes Plakat für Coca-Cola. „Make it real“ heißt es in großen, weißen Lettern. Jetzt könnte in Berlin jedoch etwas wahr werden, das dem weltweit größten Getränkehersteller ganz und gar nicht schmeckt: Im Rahmen eines Boykotts sollen alle Artikel des Konzerns aus den Einrichtungen des Berliner Studentenwerks verbannt werden. „Das ist eine ethische Frage“, findet Pablo Hermann vom Studierendenparlament der UdK.

Auslöser für solche ethischen Fragen sind die schweren Anschuldigungen gegen den Konzern Coca-Cola, die Ermordung von acht Gewerkschaftern seiner Abfüllbetriebe in Kolumbien zumindest geduldet zu haben. Andere Gewerkschafter sollen außerdem zum Austritt gezwungen worden sein. „Die soziale Verantwortung des Konzerns scheint auf der Strecke geblieben zu sein“, eröffnete Ringo Jünigk vom Asta der UdK am Donnerstagabend die so genannte „Kola Konferenz“. Vertreter des Getränkeriesen, des Studentenwerks, von Verdi und der Kolumbienkampagne diskutierten. Gerade Letztere treibt den Protest an: „Wir wollen wehtun“, verkündete Raul Zelik von der Kampagne. Er hofft auf einen Imageschaden für den Konzern.

Ein wirtschaftlicher Boykott ist ohnehin aussichtslos. Denn in den Einrichtungen des Studentenwerks werden nur noch Flaschen von Coca-Cola verkauft – und die machen nur „2,2 Prozent“ des Getränkeverkaufs aus, sagte Günter Jung vom Studentenwerk. Die schon vor zwei Jahren erfolgte Umstellung sei eine rein „wirtschaftliche Entscheidung“ gewesen, sagte Jung, stellte aber sogleich die letzten Produkte aus dem Hause Coca-Cola in Frage: „Das müssen wir mit der Geschäftsleitung diskutieren.“

Die Mordfälle, um die es geht, liegen teilweise bis in die Mitte der Neunziger Jahre zurück. In keinem konnte eine Beteiligung von Coca-Cola nachgewiesen werden. Der Konzern selbst streitet alle Anschuldigungen ab. Der eigens aus den USA eingeflogene Konzernsprecher Pablo Largacha verwies auf die katastrophalen Verhältnisse in Kolumbien: „Es gibt keinen Kolumbianer, der nicht mit Gewalt in Berührung gekommen ist. Ein Boykott ist der falsche Weg, um diese Gewalt zu bekämpfen.“

Für die Kritiker sind solche Worte nicht genug. In den USA hatten in den letzten Monaten zehn Universitäten die Verträge mit dem Getränkehersteller gekündigt. Sollte es zu einer kompletten Verbannung der Coca-Cola-Produkte aus den Einrichtungen des Studentenwerks kommen, würden sich die Berliner Hochschulen einreihen in die Entscheidungen der Kölner, Bonner und Wuppertaler Unis, die den Brause-Boykott bereits umgesetzt haben.

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