• Universität Karlsruhe: Lockangebot für die junge ausländische Technikelite - englischsprachiges Bachelor- und Masterprogramm

Gesundheit : Universität Karlsruhe: Lockangebot für die junge ausländische Technikelite - englischsprachiges Bachelor- und Masterprogramm

Uwe Schlicht

"Aus der Elite der Welt sollen später unsere Geschäftspartner kommen." Das wünscht sich Harmut Weule, früher in einer Führungsposition bei DaimlerChrysler tätig, heute Maschinenbauprofessor an der Universität Karlsruhe. Aber die junge Elite der Welt geht zur Zeit an Deutschland vorbei. Wer aus Japan, Korea, Taiwan oder Malaysia kommt, geht zum Studium der Technik- und Naturwissenschaften nach den USA, Großbritannien oder Australien. Allenfalls Lateinamerikaner und Afrikaner sind neben Chinesen und Osteuropäern nach wie vor an einem Technikstudium in Deutschland interessiert.

Hartmut Weule gibt unumwunden zu: "Wenn kein Japaner zum Studium des Maschinenbaus nach Deutschland kommt, ist das eine Katastrophe." Die Karlsruher Wissenschaftler haben die schmerzliche Erfahrung gemacht, dass die Qualität der deutschen Ingenieurausbildung nach dem Zweiten Weltkrieg in Asien in Vergessenheit geraten ist.

Wie lockt man ausländische Studenten oder begabte Schulabgänger nach Deutschland? Sie orientieren sich an der englischsprachigen Welt und damit auch an den gestuften Studiengängen mit dem Bachelor- und Masterabschluss. Wie soll Deutschland da mithalten - angesichts der schwierigen deutschen Sprache und unglaublich langer Studienzeiten bis zum anspruchsvollen Diplomabschluss? Aus dieser realistischen Erkenntnis haben die Karlsruher die Konsequenz gezogen. "Wenn wir die Welt nicht von unserem Diplom überzeugen können, bilden wir zum Bachelor und Master aus", sagt Rektor Sigmar Wittig. Deswegen nahm die Technische Universität Karlsruhe gestern ein "International Department" in Betrieb, das dem alleinigen Ziel dient, für junge Ausländer ideale Studienbedingungen zu schaffen. Die Rechtsform einer GmbH ermöglicht die Kooperation von Wirtschaft und Universität. Das gilt sowohl für die Finanzierung des Studienangebots als auch für Lenkung über einem Aufsichtsrat.

Reiche Tradition

Die Technische Universität Karlsruhe blickt auf eine reiche Tradition zurück und feiert in diesem Jahr ihr 175-jähriges Bestehen. Nach dem Karlsruher Modell wurde die heutige Eliteuniversität, die Eidgenössische Technische Hochschule in Zürich (ETH), gegründet. Nach wie vor zählt sich die Uni Karlsruhe zu den besten der Welt. Rektor Sigmar Wittig scheut sich nicht zu sagen, dass der Karlsruher Diplomingenieur besser ausgebildet sei als der Ingenieur, der von der amerikanischen Eliteschmiede, dem MIT in Massachusetts, kommt. Aber wer weiß das schon unter den heutigen jungen Schulabgängern in der Welt?

Einem Türöffner zur deutschen Wirtschaft wie dem einstigen Manager Hartmut Weule ist es gelungen, die Industrie im Umkreis von Karlsruhe sowie im sonstigen Baden-Württemberg zu gewinnen, Stipendien für ausländische Studienbewerber zu finanzieren, damit sie sich ein Studium in Karlsruhe überhaupt leisten können. Von Studiengebühren spricht man nicht angesichts des Streits um die Gebührenfreiheit für das Erststudium. Aber die Betreuungskosten in Höhe von 40 000 Mark im Jahr erreichen schon fast amerikanische Dimensionen. Dafür werden Unterkunft und Verpflegung in einem aufwendig eingerichteten Studentenwohnheim geboten.

Das englisch-sprachige Studienangebot erreicht durch einige Extras auch eine Extraklasse. Ziel ist es, zunächst den Bachelorabschluss im Maschinenbau nach acht Semestern zu erreichen und den Master in Elektrotechnik nach vier weiteren Semestern. Das ist für einen Bachelor eine lange Zeit. Aber die jungen Ausländer werden in Karlsruhe nur akzeptiert, wenn sie zugleich Deutsch lernen, und zwar im umfassenden Sinn als Sprache und Kultur. Dass wirtschaftliche Kenntnisse ebenfalls vermittelt werden, versteht sich unter den Bedingungen einer modernen Ingenieurausbildung ohnehin. Die Ausländer müssen in Deutschland auch eine Abschlussarbeit verfassen - das ist anders als in den USA. Und sie absolvieren während des Studiums Industriepraktika, damit sie die nötigen Kenntnise für eine Berufsqualifizierung mitbringen. Auch das unterscheidet Karlsruhe von amerikanischen Bachelormodellen.

Wohnheim auf dem Campus

Spitzenuniversitäten in der englischsprachigen Welt bieten den Studenten Campuswohnheime. Also musste auch Karlsruhe nachziehen. Das Prinzip gemeinsam leben und gemeinsam arbeiten verbindet - manchmal für ein ganzes Leben. 38 Millionen Mark hat der Erwerb eines Hauses und dessen Umbau gekostet und zwei Millionen erfordert der neue Hörsaal - finanziert hat das die Baden-Württembergische Landesbank zusammen mit der Universität Karlruhe. In dem Heim gibt es für sechs bis sieben Wohneinheiten zusammen eine Zentralküche mit Essecke. An alles wurde gedacht: vom Fahrradständer bis zur Dachterrasen und einem lateinamerikanischen Restaurant. Damit die Ausländer sich nicht nach ihren Herkunftländern absondern, werden die 24 ersten Studenten bunt gemischt: Chinesen leben neben Japanern, Amerikanern, Tschechen, Indern, Russen, Malayen, Rumänen, Libanesen und Mexikanern. Um eine Gettosituation zu vermeiden, befindet sich in jeder Wohneinheit ein deutscher Student unter ihnen, der nicht die hohen Kosten von 40 000 Mark wie die Ausländer aufbringen muss, sondern für die Unterkunft 400 Mark Miete im Monat zahlt. Das ist für deutsche Studenten nicht zu hoch bemessen.

Gut und teuer

Die neuen Studiengänge, der Bachelor im Maschinenbau und der Master in der Elektrotechnik, werden neben den üblichen Diplomstudiengängen angeboten. Allein das verursacht Mehrkosten von einer Million Mark pro Jahr. Aber damit nicht genug: Die jungen Ausländer kommen zwar früher als die Deutschen aus der Schule, aber dafür hätten Asiaten weder in der englischen Sprache noch in der Allgemeinbildung das Niveau deutscher Abiturienten, erklärt Rektor Sigmar Wittig. Beides muss erst noch Karlsruhe nachgeholt werden. Die Universität gewinnt zwar auf diese Weise schon 17-jährige Studenten, aber diese müssen erst einen Vorkurs absolvieren. Wer ihn nicht besteht, wird wieder nach Hause geschickt. Die Ausländer müssen Englisch nachholen und Deutsch zugleich lernen.

Schritt für Schritt soll das Angebot auf 122 Studienplätze ausgebaut werden, und demnächst kommt ein internationaler Studiengang in der Informatik hinzu. Bei wachsenden Studentenzahlen kann künftig nicht mehr jedem Ausländer ein Stipendium von der deutschen Wirtschaft angeboten werden. Wahrscheiblich werden die Stipendien in einigen Jahren nur noch für 30 Prozent der Ausländer gezahlt - bis dahin soll sich die Güte des Karlsruher Angebots herumgesprochen haben.

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