Gesundheit : Universität Potsdam: Sparen für ein neues Profil

Heiko Schwarzburger

Die Universität der brandenburgischen Landeshauptstadt hat jetzt ein Reformkonzept vorgelegt. "Hoffentlich bekommen wir mit diesem Konzept endlich Planungssicherheit", sagte Rektor Wolfgang Loschelder vor der Presse. Zur Zeit der Gründung der Universität im Jahre 1991 waren noch 263 Professuren geplant. Jetzt muss sie sich mit 190 Professuren als Ziel abfinden. Angesichts der katastrophalen Haushaltslage in Brandenburg setzten die Finanzminister immer wieder den Rotstift an und ließen die Zahl der ausfinanzierten Studienplätze stetig schrumpfen. 25 000 Studienplätze will Brandenburg nur noch erreichen, ursprünglich waren 34 000 Plätze geplant. Das hat Folgen auch für die Universität Potsdam. Im laufenden Jahr rechnet die Uni mit einem Defizit von sechs bis neun Millionen Mark.

Das neue Reformkonzept der größten Universität Brandenburgs bringt nun das Kabinett um Ministerpräsident Manfred Stolpe (SPD) in Zugzwang, endlich eine verlässliche Planung für die Hochschulen des Landes auf den Tisch zu legen. Vor Jahresfrist hatte der Wissenschaftsrat ein Gutachten zu den geistes- und den sozialwissenschaftlichen Fakultäten in Potsdam abgegeben, das sich in wesentlichen Zügen in den Vorschlägen der Hochschule wiederfindet. So will sich die Potsdamer Universität stärker als bisher auf acht Bereiche konzentrieren: die Geowissenschaften, die Lehrerbildung, die Kognitionswissenschaften, die Erforschung komplexer Systeme (in der Physik), die Astronomie, die Lebenswissenschaften und den Vergleich der Kulturen.

Ein Schwerpunkt liegt auf der Verbindung von Wirtschaft und Verwaltung, wie sie sich im Masterstudiengang "Public Management" zeigt. Für die angewandte Informatik in der Wirtschaft und in der öffentlichen Verwaltung sind deshalb zwei zusätzliche Lehrstühle vorgesehen.

Zugleich will die Universitätsleitung dem Wissenschaftsministerium eine Reihe von Studiengängen zur Schließung vorschlagen. Dies betrifft den Diplomstudiengang Soziologie, die Bohemistik innerhalb der Slawistik und den Magisterstudiengang Griechisch. "Die Sonderpädagogik geben wir gemäß einer Vereinbarung mit dem Land Berlin an die Humboldt-Universität ab", erläuterte Rektor Loschelder. "Dafür übernehmen wir die Ausbildung der Grundschullehrer auch für Berlin." Das Einverständnis von Wissenschaftsministerin Johanna Wanka vorausgesetzt, könnten diese Studiengänge in sechs bis sieben Jahren endgültig auslaufen.

"Das verschafft uns den Spielraum bei den Professorenstellen, den wir dringend für die neue Struktur brauchen", kommentierte Vizerektor Dieter Wagner. "Innerhalb dieser Struktur sollen 17 Professuren umgewidmet werden, so dass die Universität bis 2010 ihr neues Profil verwirklichen kann", erklärt Rektor Loschelder. Die 17 Lehrstühle werden durch Pensionierung frei, würden also den Landeshaushalt nicht zusätzlich belasten.

Die Universität Potsdam will auch mit den anderen Hochschulen der Region enger zusammenrücken. Bei den Polymerwissenschaften sollen Vorlesungen gemeinsam mit den Berliner Universitäten angeboten werden. Die Medienwissenschaften werden künftig zusammen mit der Fachhochschule Potsdam und der Hochschule für Film und Fernsehen in Babelsberg angeboten. Mit der Viadrina in Frankfurt/Oder will sich die Uni Potsdam vor allem in den Wirtschaftswissenschaften abstimmen.

Das Rektorat möchte mit dem Land schnell eine Zielvereinbarung über die Reformen abschließen. "Bis zum Frühsommer soll die Abstimmung mit den Fakultäten und den Gremien erfolgen, dann legen wir Frau Wanka unser Konzept vor", sagte Loschelder. "Die Verhandlungen über die Zielvereinbarungen könnten nach der Sommerpause beginnen." Angesichts neuer Spardebatten im Landtag warnte der Rektor jedoch ausdrücklich: "Weitere Stellenkürzungen würden alle Anstrengungen zunichte machen."

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