Gesundheit : Unsaubere Atombömbchen Forscher kritisieren amerikanische Nuklearwaffenpläne

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USPräsident Bush möchte das Kernwaffenarsenal der USA um kleine, „saubere“ Nuklearwaffen erweitern. Solche Bomben sollen bei Präventivschlägen gegen unterirdische Bunker eingesetzt werden und erst nach dem Eindringen in Beton und Gestein explodieren. Nachdem Repräsentantenhaus und Senat schon im vergangenen Jahr das bis dahin bestehende Verbot solcher Waffenentwicklungen aufgehoben hatten, ist das Budget für Studien und Tests zu bunkerbrechenden Bomben 2004 erhöht worden.

Aber nicht nur etliche amerikanische, auch deutsche Forscher bezweifeln, dass Nuklearbomben so tief in die Erde eindringen können, dass bei ihrem Einsatz keine Radioaktivität in die Atmosphäre und die Umgebung freigesetzt würde. „Man wird nicht erreichen können, dass dabei kein Fallout auftritt“, sagt Wolfgang Rosenstock vom Fraunhofer Institut für naturwissenschaftliche Trendanalysen in Euskirchen. Das schließt er unter anderem aus den Ergebnissen französischer Atomwaffentest, die in einigen hundert Metern Tiefe durchgeführt wurden. Auch bei amerikanischen Tests in Nevada in 190 Metern Tiefe sei die bei der Explosion freigesetzte Radioaktivität so hoch gewesen, „dass es dort noch heute, 40 Jahre später, massive Zutrittsbeschränkungen gibt“.

Wolfgang Liebert von der TU Darmstadt hält das Ziel einer „sauberen“ Nuklearwaffe ebenfalls für völlig unrealistisch. Mit kleinen Nuklearwaffen könne man bestenfalls ein paar Dutzend Meter tief in die Erde vorstoßen. Er und Rosenstock befürchten indessen, dass die USA irgendwann entsprechende Kernwaffentests machen werden.

„Wenn es dazu käme, würden die Grenzen zwischen konventionellen und nuklearen Waffen aufgehoben“, sagt Liebert. Denn die Bunkerbrecher seien keine Abschreckungswaffen, sondern für einen „begrenzten Einsatz“ gedacht. „Das würde andere Länder dazu verführen nachzuziehen“, sagt Liebert. tdp

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