Gesundheit : "Unsere Antwort auf die Green-Card"

Heiko Schwarzburger

Strategische Allianzen gibt es nicht nur in der Wirtschaft: Die Technische Universität und der weltgrößte Chip-Hersteller Intel haben jetzt eine enge Zusammenarbeit begonnen. Intel stellte der Universität ein komplett eingerichtetes Computerlabor zur Verfügung, in dem künftig die Studenten unterrichtet werden. Außerdem sollen im "Intel Net Business Lab" wissenschaftliche Kolloquien und Forschungen laufen. "Wir fördern Klasse statt Masse", erklärte Jürgen Thiel, Chef der Intel-Dependance für Zentraleuropa, bei der Vorstellung. Auch Stacy Smith, Vizepräsident von Intel Europa, stellte der TU ein gutes Zeugnis aus: "Wir bauen solche engen Verbindungen wie zur TU Berlin auf, weil nur dadurch die technologische Entwicklung gesichert werden kann." Intel erwartet auch qualifizierte Studenten, die über diesen kurzen Weg direkt nach dem Abschluss in das Unternehmen wechseln.

Insgesamt 15 hochmoderne Computer und fünf Notebooks spendierte der Chipriese der TU, die Investitionssumme belief sich auf rund 205000 Euro. Die Computer ermöglichen es, die Lehre und Forschung im Labor, aber auch über das weltweit schnellste Netz, das deutsche Forschungsnetz, anzubieten. Damit gehört die TU Berlin als zweite deutsche Hochschule nach der TU München zum Kreis der Partnerhochschulen von Intel. In München engagierte sich Intel mit rund 256000 Euro. "In Kürze werden wir sicher eine dritte deutsche Hochschule als Partner auswählen", gab Stacy Smith bekannt, ohne Details zu nennen.

Weltweit kooperiert der Konzern mit 80 Universitäten, davon 30 in Europa, im mittleren Osten und in Afrika. "Das neue Labor ist für uns der Beginn einer dauerhaften Zusammenarbeit, die wir nun mit weiteren Partnern ausbauen wollen", sagte Adam Wolisz, Dekan der TU-Fakultät für Elektrotechnik und Informatik. "Wir wollen vor allem im Mobilfunk, zur drahtlosen Kommunikation und zur Mikrosystemtechnik weitere strategische Allianzen eingehen." Die Fakultät verfügt über beste Referenzen: Im vergangenen Jahr warb sie rund 10,2 Millionen Euro an Drittmitteln ein. Enge Partnerschaften bestehen beispielsweise zu Siemens, Karstadt und mehreren Banken.

Green-Card wird überflüssig

Das neue Computerlabor gehört zum Lehrstuhl für Systemanalyse und EDV, der sich bereits durch angewandte Forschungen zu elektronischen Agenten einen Namen gemacht hat. "Mit dem neuen Labor wollen wir zeigen, dass wir die dringend benötigten Fachleute für die IT-Branche bei uns ausbilden können", sagt Lehrstuhlinhaber Herrmann Krallmann. "Das ist unsere Antwort auf die Debatte um die Green- Card."

Intel-Manager Jürgen Thiel hofft: "In drei bis vier Jahren könnte diese Diskussion überwunden sein. Wir haben im eigenen Land ein großes Potenzial." Krallmanns Lehrstuhl warb im vergangenen Jahr allein rund 1,54 Millionen Euro an Forschungsaufträgen für die Industrie ein. Er gehört auch zu den 15 deutschen Lehrstühlen, die sich an der internationalen "Global Virtual University" beteiligen, deren Vorlesungen nur im Internet gehalten werden. Forschung bleibt unabhängig

Intel sagte zu, neben der Ausstattung des neuen Labors auch Aufträge für Forschungsprojekte zu erteilen. Dabei kann die TU auch auf erhebliche Forschungskapazitäten außerhalb ihrer Mauern zurückgreifen: Sechs Professoren der Universität wurden gemeinsam mit außeruniversitären Forschungsinstituten in Berlin berufen. Dazu gehören das Heinrich-Hertz-Institut für Nachrichtentechnik und fünf Institute der Fraunhofer-Gesellschaft. Allerdings kann Intel keine Sonderrechte für die Vermarktung der Forschungsergebnisse geltend machen. "Wir bleiben in Lehre und Forschung unabhängig", erklärt Herrmann Krallmann. Das Engagement des Konzerns ist an den verschiedenen Universitäten ganz unterschiedlich. In München und Berlin baute Intel komplette Labors auf. An der Technischen Hochschule in Zürich stattete das Unternehmen im vergangenen November 500 Informatikstudenten mit Notebooks und Zugangskarten für das drahtlose Kommunikationsnetz der Hochschule aus. Mit der Technik können die Studenten ohne Kabelverbindung auf das Internet zugreifen. Intel gehörte auch zu den Gründungsmitgliedern der Bildungsoffensive D21, mit der die Wirtschaft den Schulen und Hochschulen in Deutschland unter die Arme greifen will. So investiert Intel beispielsweise auch in die Weiterbildung von Lehrern, die in den Schulen für die Computerausbildung verantwortlich sind. Der 40-Stunden-Kurs wird mittlerweile in 25 Ländern angeboten. Allein in Deutschland wurden bislang 80000 Lehrer geschult. Weitere 40000 stehen noch auf den Wartelisten. Der Konzern will bis Ende 2003 insgesamt 180000 Lehrer weiterbilden. Weltweit nahmen eine halbe Million Pädagogen an dem Weiterbildungsprogramm teil. Für sein Engagement an Schulen und Universitäten investierte Intel in den Jahren 1998 und 1999 weltweit rund 100 Millionen Dollar.

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